Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

Geschichtlicher Überblick 
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lichkeit trat. Bei den Physiokraten holte er sich die grund 
legende Idee des providentiellen Finalismus, mit welcher er dem 
Pessimismus Ricardos und seiner Schule entgegentrat. Aus 
dem Studium Dunoyers gewann er die Grundlagen seiner 
Wert- und Rentenlehren, sowie die Idee der allmählichen, histo 
risch werdenden Verwirklichung des Freiheitsregims. Die Frei 
handelskampagne der englischen anticornlawleague verfolgte er 
aufs eifrigste durch jahrelange, tägliche Lektüre des „GlobeV 
Diese Lektüre entwickelte in dem feurigen Sohn der Gascogne, 
der, wie alle seine Landsleute, ein Enthusiast und eine Kampf 
natur war, eine glühende Freiheitsliebe und eine glänzende 
polemische Begabung. 
Die polemischen Schriften Bastiats, die Sophismes écono 
miques und die Pamphlets, verdienen noch heute gelesen zu 
werden. Die schwungvolle, lebendige und bilderreiche Sprache, 
die meisterhafte, manchmal verblüffende Handhabung der 
Dialektik im Kampfe mit Schutzzöllnern und Sozialisten geben 
jenen Werken einen schätzbaren literarischen Wert. Bastiats 
wissenschaftliche Konstruktionen dagegen sind unhaltbar. Ja, 
was ihn geradezu kennzeichnet, ist der Mangel an wissenschaft 
lichem, methodischem Sinn. Mehr als bei irgend einem andern 
liberalen Volkswirt tritt bei ihm der charakteristische, metho 
dische Fehler der Schule : den Beweis voraus bestimmter 
Schlußfolgerungen anzustreben, zutage. Sein dogmatisches Werk, 
die unvollendet gebliebenen Harmonies économiques, dient dem 
Bestreben, den Pessimismus Ricardos, welchen sich die Sozia 
listen im Kampfe gegen die klassische Naturlehre weidlich zu 
nutze zu machen anfingen, aus der „Wissenschaft“ zu bannen 
und durch den rationalistischen Optimismus der Physiokraten 
zu ersetzen. 
Bastiats Gedankengang ist folgender 1 ): indem Ad.Smith 
und insbesondere Ricardo dem Produktionsagens Natur Wert 
beimessen, legen sie den Grund zu notwendiger Ungerechtigkeit im 
Wirtschaftsleben. Kommt z. B. dem Grund und Boden Wert 
charakter zu, so folgt, daß dessen Eigentümer, also eine be 
schränkte Anzahl Menschen, ein der gesamten Menschheit vom 
Schöpfer gegebenes Geschenk monopolisieren. Das ist aber eine 
offenbare Ungerechtigkeit. 
1 ) Bastiat, Oeuvres, Bd. VI, p. 7 ff.
	        
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