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Die liberale Schule
géographie Frankreichs, denn es wurde später fast genau so
gebaut, wie er bis ins Einzelne angeregt hatte.
1840, unter einem Ministerium Thiers, bekämpfte er
durch seine Lettre adressée au comte Mole' die von der Regierung
geplante Errichtung der Pariser Forts. Etwas utopisch mutet
in diesem Briefe die Schilderung, welche der Autor von der
europäischen Lage gibt, an. Seine Begeisteruag für den Welt
frieden läßt ihn verkünden, daß Europa einer politischen Ein
heit entgegensehe, die ihren Ausdruck in einer hohem Organi
sation, nach dem Muster des griechischen Amphiktyonenbundes
finden werde.
Als Rossi 1840 Pair von Frankreich wurde, trat er von
seinem Lehrstuhl am College de France zurück. Dieser ward
Chevalier übertragen, welcher auch seit 1838 Mitglied des
Staatsrats war. 1845 zog er als Vertreter des Aveyrondeparte-
ments auf kurze Zeit in die Abgeordnetenkammer ein. Dort
gelang es ihm, der Regierung eine Zollgesetzvorlage, die einige
Reformen im Sinne der Freiheit enthielt, abzuringen. Doch
wurde die Kammer aufgelöst, bevor es zur definitiven Abstim
mung über die Vorlage kommen konnte.
Nach dem Ausbruch der Februarrevolution trat Chevalier
mit Basti at, Wolowski usw., wie schon erwähnt, gegen
die sozialistischen Systeme in die Schranken. Seine Briefe über
die Organisation der Arbeit, welche im Journal des Débats er
schienen, veranlaßten die revolutionäre Regierung ihn nicht nur
seines Postens zu entheben, sondern auch sogar seinen Lehrstuhl
zu unterdrücken. Sieben Monate später wurde Chevalier jedoch
wieder in Amt und Würden eingesetzt. Da ihn indessen die Ge
schäfte im Staatsrat zu sehr in Anspruch nahmen, überließ er
seine Vorlesungen einem Stellvertreter: Henri Baudrillart. 1866
nahm er sie wieder selbst auf, bis 1878, ein Jahr vor seinem
Tode, sein Lehrstuhl an seinen Schwiegersohn Paul Leròy-
Beaulieu überging.
Chevaliers Vorlesungen erschienen in drei Bänden 1 ).
Die beiden ersten behandeln hauptsächlich Fragen des Trans
portwesens; der dritte ist ausschließlich dem Geldwesen ge
widmet. Genetische Beschreibung bestehender Einrichtungen
i) Die beiden ersten Bände zuerst 1842 u. 1844, 2. Ausi. 1855—56; der
dritte Band 1850 2. Ausi. 1856.