360 Siebentes Buch. Zweites Kapitel.
streiter erobert: die romanische Welt erfaßte Geist und Leben
des Orients unter päpstlicher Führung; Gottfried von Bouillon,
ein wallonischer Vasall des deutschen Königs, ward Schützer
des heiligen Grabes im Dienste papaler Gedanken.
Und dem romanischen Kreuzzuge folgten deutsche Nach—
wehen. Unter dem alten Welf von Baiern zogen nun auch
germanische Männer über Byzanz die gefährliche Reise zum
Grabe des Erlösers. Aber mißtrauisch gegen die Ratschläge
der Griechen fehlten sie des rechten Weges; zerlumpt, zerrissen,
ein Hohn den Fremden, Personen eines Satyrspiels nach dem
furchtbaren Drama der dahre 1096 bis 1099, erschienen fie vor
der heiligen Stadt, und einsam endete Herzog Welf auf Cypern.
VI.
In den Jahren des Kreuzzuges und seiner Vorbereitungen
hatte Heinrich das Furchtbarste erleben müssen.
In Italien hatte sein Sohn Konrad dem Papste nach der
Synode von Piacenza Stallmeisterdienste geleistet und gelobt,
ihn an Leib und Leben, Würde und Vesitz zu schützen gegen
jedermann — also auch gegen Heinrich, seinen Vater; und der
Papst hatte dagegen versprochen, ihm die Kaiserkrone des Vaters
aufs Haupt zu setzen, sobald er die Schwellen der Apostelgräber
beträte. Noch ärger fast hatten die Feinde des Kaisers in
Deutschland triumphiert. Die Bischöfe der deutschen Kirche
waren jetzt dem romanischen Reformgedanken unterjocht mit
wenigen Ausnahmen; als Vikar des Papstes herrschte in Deutsch—
land seit 10809 mit zeitweis fast unumschränkter Gewalt Geb—
hard, der fanatische Bischof von Koustanz. Eine weltliche
Centralgewalt gab es nicht mehr; unbeirrt übte man wieder
das längst vergessene Recht der Herzogswahl, die Auflösung
des Reiches schien nahe herbeigekommen.
Da glückte es Heinrich, nach Jahren fruchtlosen Harrens
in Italien, gelegentlich eines Familienzwistes in der tuscisch—
welfischen Verwandtschaft über die ihm bisher verschlossenen
Alpen nach Deutschland zu gelangen. Er fand eine Lage vor.