Full text: Geschichte des Bremer Binnenhandels im 19. Jahrhundert namentlich unter den alten Verkehrsformen und im Übergang

Hannover, der damaligen bremischen Hauptstrafse, auf der der gesamte 
Verkehr nach dem Süden, nach Nürnberg und Frankfurt, und nach 
den östlicheren {Jebieten, über Braunschweig nach Leipzig, Sachsen 
und Berlin, auch Schlesien sich vollzog, da die Konkurrenz- und z. T. 
früher strafsen- und zollzwangmäfsig, wie die Geller Strafse nach 
Braunschweig, festgelegten Strafsen von Hannover nicht zu Chausseen 
ausgebaut worden waren, wird der bremische Gesamtverkehr um 1835 
zu 320 000 Ztr., nach Bremen zu 60 000 Ztr. angegeben, so dafs hier die 
Fuhrleute vielfach an den Bettelstab kamen 1 ), und der bremische Handel,: 
soweit nicht schon gleich zu erwähnende Umstände das paralysierten, 
stets mit zu hohen Ausfrachten ins Binnenland zu rechnen hatte, 
weil sie die Rückfracht decken mufsten. Der hamburgische Verkehr 
stand hier viel besser, vielleicht z. T. wegen der ausgleichenden 
Wirkung der Elbe und wegen seines grofsen Anteils an dem europäischen 
Verkehr, während Bremen gerade wegen der Eigenart seiner binnen 
ländischen Handelsverhältnisse und weil auf der Unterweser die 
verteuernde Leichterfracht den europäischen Handel drückte, mit der 
Erwerbung des transatlantischen Handels in Deutschland voranging. 
Auch die Fuhrleute konnten immerhin nach Hamburg, das den 
grofsen Teil der deutschen Ausfuhr hatte, meist mit voller Fracht 
gehen, während sie auf Bremen in den zwanziger und bis in die 
vierziger Jahre meist mit halber Fracht oder leer fahren mufsten. 2 ) 
Als in den zwanziger Jahren durch die allgemeine Krise der jungen 
deutschen Industrie und der agrarischen Überproduktion und die' 
fast ganz zurückgedrängt, nur die billigen groben Sorten gingen noch von 
der Weser, s. Friedrich Huhn, Die Weser, Zeitschrift des Vereins für 
deutsche Statistik, I. Jahrg., 1847, S. 681. Vgl. a. v. d. Horst, Die deutschen 
Nordseestaaten und deren Politik, Braunschweig 1844, S. 49 ff. und die 
speziellen Nachweise über die Bielefelder, westfälische, lippische, hessische und 
sächsische Leinenindustrie, die in den Aufsätzen im Jahrgang 1847, S. 505 ff. 
und 1848, S. 214 ff., 524 ff., 558 ff., 654 ff., 1126 ff., der Zeitschrift des Vereins 
für deutsche Statistik erschienen sind; Willi. Lotze, Geschichte der Stadt 
Münden und Umgegend, Münden 1878, S. 242. Im Bielefeldischen wurde das 
Leinengewerbe stärker als volles Gewerbe und Handwerk betrieben, wie 
bekanntlich auch in Schlesien. S. w. a. Max Peters. Die Entwicklung der 
deutschen Reederei seit Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Begründung des 
deutschen Reichs, Jena 1899-1906, II. Bd., S. 129. 
*) Fr. v. Reden, Das Königreich Hannover, II. Abt. 1839, S. 317; er gibt 
die oben erwähnten Zahlen an und fährt fort: „mithin kann ein grofser Teil 
dar Frachtwagen keine Rückladung erhalten, und dies ist die Ursache des Ruins 
so vieler auf dieser Route fahrenden Fuhrleute.“ W. Bremer Staatsarchiv 1827. 
Die Zahlen v. Redens sind ungenaue Schätzungen. 
2 ) Güterbestederbericht 1825, Bremer Staatsarchiv; Duckwitz, 
Denkw S. 19.
	        
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