Full text : Geschichte des Bremer Binnenhandels im 19. Jahrhundert namentlich unter den alten Verkehrsformen und im Übergang

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Es  ist  bremische  und  bayrische  Interessenpolitik,  an  der
Deutschland  insofern  ein  Interesse  hat,  als  ihm  dadurch  einmal
theoretisch  ein  neuer  Verkehrszug  zugeführt  wird,  das  andere  Mal
neben  besserer  Erschliefsung  der  Produktionskräfte  des  betreffenden
Gebiets  dem  vollständigen  Ubergreifen  Hollands,  das  damals  neben
dem  natürlichen  Vorteil  des  grofsen  Stroms  auch  noch  zu  Lande
den  der  Zollbegünstigung  hatte,  gewehrt  wird.  Da  die  Wasserstrafse
damals  frei  von  den  einzelstaatlichen  Transitzöllen  war  und  nur  mit
ihrer  speziellen  Schiffahrtsabgabe  arbeitete,  wovon  Holland  allerdings
zunächst  insofern  weniger  hatte,  als  Preufsen  den  Kölner  Rheinstapel
so  lange  aufrecht  erhielt,  bis  Holland  seinen  sehr  unberechtigten
angeblichen  Seezoll  aufgab,  und  im  Zollverein  dann  alles  von  den
Rheinhäfen  nach  der  Schweiz  und  Österreich  auf  dem  Landwege
durchgeführte  Gut  nur  auf  einen  Kreuzer  für  den  Zentner  gestellt
war,  während  es  von  Bremen  aus  1 /s  Taler  im  Steuerverein  und
1 12  Taler  im  Zollverein  zahlte,  so  war  die  Disposition  höchst
ungünstig. 1 )
Dafs  auch  Hamburg  durch  die  Elbe  besser  gestellt  war  und
auch  in  das  engere  bremische  Handelsgebiet  Übergriff,  wie  Holland
nach  Thüringen  und  Hessen,  hat  für  Deutschland  nur  insofern
Interesse,  als  für  Bremen  die  Konkurrenz  gegen  die  holländischen
Häfen  und  Antwerpen,  die  es  nur  als  womöglich  künstlich  stark
gemachter  Platz  autnehmen  kann,  die  Lebensfrage  ist,  für  das  viel
mehr  östlich  interessierte  Hamburg  nicht.
Im  Anschlufs  an  die  Pläne  auf  Geestemünde  und  Harburg 1  2 )
wurde  in  Hannover  ein  Projekt  erörtert,  das  Meidinger  1854
folgendermafsen  schildert:
„Die  Bracke  mündet  bei  Ritzebüttel  in  die  Nordsee  (Altenbrucher
  Hafen)  und  führt  ebenfalls  durch  eine  Schleuse  das  überflüssige ­
  Wasser  ab.  Es  liegt  im  Plan,  einen  Kanal  für  grofse
Seeschiffe  von  Cuxhaven  bis  Hamburg  zu  bauen,  wodurch  die  mehr
und  mehr  zunehmende  Elbversandung  umgangen  würde.  Dieser
Kanal  soll  so  breit  sein,  dafs  zwei  Seeschiffe  bequem  an  einander
vorbei  fahren  können.  Das  flache  Terrain  bietet  keine  Schwierig-1
 )  A.  Duckwitz,  Denkwürdigkeiten  aus  meinem  öffentlichen  Leben,
1877,  S.  18,  auch  S.  34,  über  die  Begünstigung  des  deutschen  Handels  über
die  französischen,  holländischen  und  belgischen  Häfen  gegenüber  Zurückhaltung
der  deutschen  Häfen  durch  die  Zolltarife  des  Zoll-  und  Steuervereins,  vergl.
ferner  S.  36,  38,  60,  94.  Vergl.  a.  Max  Peters,  Die  Entwicklung  der  deutschen
Reederei,  Jena  1899—1905,  Bd.  I,  S.  37,  141  ff.,  Bd.  II,  S.  9,  112  ff.;  u .  a.
2 )  S.  Duckwitz,  Denkwürdigkeiten,  S.  140;  Staatsarchiv;  u.  a.
            
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