Full text : Geschichte des Bremer Binnenhandels im 19. Jahrhundert namentlich unter den alten Verkehrsformen und im Übergang

wurde. 1 )  Im  europäischen  Geschäft  war  ein  ziemlich  bedeutender
Weinhandel  vorhanden,  der  auch  mit  den  alten  Beziehungen  zu
Frankreich  zusammenhängt. *  2 )  Aufserdem  waren  Hauptartikel  der  Einfuhr ­
  Zucker,  Kaffee,  Häute  und  Farbeholz.  Dazu  kommt  der  Getreidehandel. ­
  Seit  den  dreifsiger  Jahren  wurde  Bremen  der  erste  Markt  in  Europa
für  amerikanischen  Tabak.  Die  Besiegung  Rotterdams  und  Amsterdams
rief  in  Bremen  grofse  Freude  hervor. 3 )  Bremen  und  Tabak  wurden
seitdem  zusammengehörige  Begriffe.  Namentlich  gegen  die  modernen
Zigarren  konnten  die  Holländer  nicht  aufkommen.  Heute  dokumentiert
sich  etwas  Ähnliches  durch  die  Organisation  der  Bremer  Baumwollbörse. ­
 4 )  In  seinen  Stapelartikeln  greift  der  Einfiufs  Bremens  über
seinen  engeren  Handelsrayon  hinaus  und  versorgt  z.  T.  durch  die
Vermittlung  der  oberdeutschen  Stapelplätze,  obwohl  der  Bremer
Tabakreisende  schon  in  den  dreifsiger  Jahren  eine  allgemeindeutsche
populäre  Persönlichkeit  wird,  einen  weiteren  Bezirk,  dagegen  greifen
in  allgemeinen  Kolonialwaren  etc.  die  benachbarten  Plätze  auch
in  den  Bremer  Handelsrayon  über. 5  6 )  Auf  diesen  Verhältnissen
beruht  z.  T.  auch  der  Austausch  und  der  Verkehr  durch  die
*)  Seit  1864,  Max  Peters,  II.  Bd.,  S.  157;  F.  Zeiter,  in  Bremen  und
seine  Bauten,  S.  669;  E.  Fitger,  Entwicklung  der  Seeschiffahrt,  1902,  S.  47.
2 )  Bremens  alter  Zwischenhandel  des  18.  Jahrhunderts  war  stärker
holländisch-französisch  wie  englisch  beeinflufst.  Bremen  hatte  1774—77  doppelt
so  viel  Verkehr  mit  Frankreich  wie  mit  England,  (W.  v.  Bippen,  Geschichte
der  Stadt  Bremen,  III.  Bd,,  1904.  S.  258).
3 )  Vgl.  G.  C.  Bocris,  Beschreibung  aller  im  Handel  vorkommenden
Tabaks-Gattungen,  deren  Productionsländer,  Kultur,  Eigenschaften  und  Gebrauch,
Bremen  1833,  S.  5  ff.;  Die  bremische  Cigarren-Ausstellung  im  Industrie-Palaste  zu
Paris  1867,  Bremen  1867,  S.  3;  Ed.  Beurmann,  Skizzen  aus  den  Hanse-Städten,
Hanau  1836,  S.  105;  Duckwitz,  Denkw.,  S.  68;  Meidinger,  IV.  Abt.,  S.  122  ff.
Das  Zigarrenrauchen  fängt  etwa  seit  1820  an  gegen  das  Pfeifenrauchen  aufzukommen. ­
  Die  älteste  Nachricht  über  Tabaksfabrikation  in  Bremen,  wo  sie
aber  damals  schon  einige  Zeit  bestand,  stammt  aus  dem  Jahre  1663.  S.  dazu
W.  v.  Bippen,  Geschichte  der  Stadt  Bremen,  III.  Bd.,  1904,  S.  259;  H.  v.
Treitschke,  D.  Geschichte,  III.  Teil,  1903,  S.  466.  ,
4 )  Als  Tabaksmarkt  ist  Bremen  noch  heute  der  wichtigste  Weltmarkt
und  wird  nur  in  ostindischen  Marken  von  Amsterdam  übertroffen.  Die  erste
Bedeutung  hat  heute  die  Baumwolle.  Vgl.  a.  A.  Oppel,  Die  Baumwolle  nach
Geschichte,  Anbau,  Verarbeitung  und  Handel,  sowie  nach  ihrer  Stellung  im
Volksleben  und  in  der  Staatswirtschaft,  Bremen  1902.  Bremen  ist  jetzt  der
erste  Baumwollimportplatz  nach  Liverpool.  —  1860  bildeten  Tabak  und  Baumwolle ­
  zwei  Drittel  des  Wertes  der  gesamten  bremischen  Wareneinfuhr.  Zu
den  einzelnen  Waren  ist  sonst  zu  verweisen  auf  die  Abteilung  C.  (S.  13  ff.)
des  Katologs  der  Bibliothek  der  Handelskammer,  worin  auch  eine  Reihe  von
Bremensien.
6 )  Duckwitz,  Denkwürdigkeiten,  S.  34.
            
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