Full text : Geschichte des Bremer Binnenhandels im 19. Jahrhundert namentlich unter den alten Verkehrsformen und im Übergang

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Die  beiden  Verbindungen  waren  das  Resultat  der  Einigungsbestrebungen, ­
  die  zwischen  süd-  und  mitteldeutschen  Staaten  sich
auf  den  Konferenzen  zu  Darmstadt  und  Stuttgart  abgespielt,  aber
nicht  zur  Einigung  geführt  hatten.  Württemberg  und  Bayern  traten
1828  allein  zusammen,  Hessen-Darmstadt  wandte  sich  nach  Preufsen,
womit  von  vornherein  ein  Keil  in  die  dritte  Gruppe  getrieben  war,
die  sich  nun  nach  Punktationen  zu  Oberschöna  und  Frankfurt  am  Main
in  Kassel  1828  zum  mitteldeutschen  Handelsverein  zusammenschlofs.
Es  war  das  die  Partei  der  grofsen  Handelsstädte  und  der
Kleinstaaten,  des  freien  deutschen  Handels  im  alten  Verstände.  Der
Plan  ging  von  Sachsen  aus,  das  das  Interesse  seiner  grofsen  Handelsstadt ­
  Leipzig  verfolgte  und  seine  traditionelle  Politik,  die  es  einst
gegen  die  Handelspolitik  Friedrichs  des  Grofsen  einzusetzen  gehabt
hatte,  fortsetzte 1 ).  Man  hätte  zwar  an  einen  Schutz  der  sächsischen
Industrie,  die  im  neunzehnten  Jahrhundert  dem  Lande  ganz  besonders ­
  das  Gepräge  gegeben  hat,  denken  können,  aber  die  Grofsmarktstellung
  Leipzigs,  die  keinen  partiellen  Abschlufs  oder  Anschlufs
duldete,  gab  den  Ausschlag 2  *  *  *  *  * ).  Von  Sachsen  aus  griff  die  Idee  sofort
über  in  die  Hansestädte.  Der  kgl.  sächsische  Minister  Hans  Georg
v.  Carlowitz,  der  der  Urheber  des  Plans  gewesen  war,  erhielt  das
bremische  Ehrenbürgerrecht 8 ),  das  sehr  selten  verliehen  wurde.
Warum  Smidt  eine  solche  Vorliebe  für  den  Plan  entwickelte,  ergibt
sich  aus  der  Konstellation  der  bremischen  Handelsstrafsen  in  der
Karte.  Es  ist  das  spezifische  Handelsgebiet  Bremens,*  das  damals
zusammentrat,  und  wenn  der  Verein  den  Transit  erleichterte,  wie  er
versprach,  oder  aber  Erschwerungen  hintenanhielt,  standen  Bremen
seine  altgewohnten  Handelsstrafsen  bis  nach  Süddeutschland  und
bis  nach  Preufsen,  soweit  der  Verkehr  nach  da  hinübergreift,  zur
Verfügung.
Man  kannte  es  in  den  Städten  kaum  anders,  weil  man  nie
in  einem  abgeschlossenen  Staate  gelebt  hatte.  Man  dachte  an  einen
offenen  Verkehr  durch  ganz  Deutschland,  Freiheit  des  Transits,
wobei  dann  jeder  Einzelstaat  sich  mit  seinen  Untertanen  einiger-*)
  Vergl.  mein  Zur  Geschichte  der  alten  Handelsstrafsen  in  Deutschland,
Gotha  1907,  S.  13,  14,  22.
2 )  Max  Sohippel,  Grundz.  d.  Handelspolit.,  z.  Orientier,  i.  d.  Wirtschaft!. ­
  Kämpfen,  Berlin  u.  Bern  1902,  S.  74,  sagt:  Die  neuemporkommenden
Verleger  der  sächsischen  Hausindustrie  bedeuteten  noch  keine  einflufsreiche
Grofsbürgerschicht,  wie  die  alte  Handelsbourgeoisie  Leipzigs.
8 )  Über  die  bremischen  Ehrenbürger  hat  W.  v.  B  i  p  p  e  n  eine  Miszelle  in
seinem  Aus  Bremens  Vorzeit,  Bremen  1886,  S.  200,  gegeben.
            
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