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Für die bremische Ausfuhr war es von Vorteil, dafs die
Holländer die deutschen Exporteure wenig unterstützten, 1 ) so dafs
Bremen von den rheinischen Gegenden Exportverkehr empfangen
konnte. Die Getreideausfuhr mufste allmählich aufhören, als Deutsch
land nicht mehr Ackerbaustaat blieb. Allmählich konnte dann
Bremen auch an der neueren Ausfuhr, die sich in Deutschland
entwickelte, partizipieren, soweit seine Lage und die Modernisierung
seiner Verkehrswege das erlaubte.
In den vierziger und fünfziger Jahren hat sich auch das
Mifsverhältnis betreffs der Einfuhr- und Ausfuhrmengen allmählich
ausgeglichen, die Ausfuhr klettert von ihrem Tiefstand ganz
gewaltig hinauf, überwiegt um 1850 an Wert, wenn auch nicht im
Quantum, sogar die Einfuhr. Danach geht das Verhältnis wieder
zurück und die Einfuhr überwiegt bis heute. 8 ) Dabei ist zu berück
sichtigen, dafs ein Teil der Einfuhr auch seewärts wieder ausgeht,
indem namentlich auch der Norden einen grofsen Teil seines Bedarfs
aus den deutschen Welthandelsplätzen zieht. Zeitweise hatte die
starke Anspannung dieses Verkehrs mit den Gegenden, die für sich
allein einen grofsen regelmäfsigen transatlantischen Verkehr nicht
ins Oberland an Gewicht ungefähr gleich, wie 300000 zu 300 000 Ztr. za., es
steigt in den nächsten Jahren aber auch zeitweise zugunsten der Oberweser-
sohiffahrt auf 1 */« und l * 2 * * * * * /s, gegenüber dem Aohsyerkehr zu 1, zuletzt sogar
bei starker Getreide- und Bahnsohienenauffuhr zeitweise auf 2 und 3 zu 1,
mit Beginn der Eisenbahnzeit sind die Zahlen etwa 1:1. Heute, 1905,
stehen za. 15 'Millionen dz per Bahn ins Oberland nicht ganz 3 Millionen dz
Bergverkehr der Oberweser gegenüber. Der Anteil der Flufsschiffahrt an dem
Seehandel Bremens wurde am Ende des 19. Jahrhunderts bergwärts auf 13,42
Prozent der Menge, 6,01 Prozent dem Werte, talwärts auf 21,40 Prozent der
Menge, 6,11 Prozent dem Werte nach berechnet. Der Seeverkehr Bremens und
Hamburgs verhält sich heute etwa wie 1: 2 x /2, der Binnenschiffahrtsverkehr wie
1:15. S. im übrigen das Kapitel Statistik.
') S. Note >) auf S. 12; Peters, II. Bd., S. 113; (v. Hormayr), I, S. 5.
2 ) 1840 heilst es: Es wird besser mit der Ausfuhr, sie steht nicht mehr
zurück gegen die Einfuhr, das Ausgebern in Ballast, früher so häufig, wird jetzt
seltene Ausnahme (v. Hormajr), Fragmente, I, 1840, S. 24. Das liegt zu einem
grofsen Teil an den erörterten lohnenden Auswanderungsfrachten. S. das Kap.
Statistik. Darin und in der seit 1849 (bezw. 1847) geführten offiziellen Statistik
ist im übrigen das Steigen und Fallen zu konstatieren. Für die Verhältnisse
der jüngstvergangenen Zeit vergl. Bremens Handel und Schiffahrt in graphischen
Tafeln, herausgegeben im Aufträge der Handelskammer, Bremen 1890, und
Fr. Tetens, Über Bremens Bedeutung als Handelsplatz, ebenfalls mit
graphischen Tafeln, in den Deutschen geographischen Blättern in Bd. XXVU,
und als Sonderdruck zusammen mit dem Aufsatz von W. Hochstetter über
die Entwicklungsgeschichte des Norddeutschen Lloyd ebendaher, Bremen 1904.
Der erste Bremer Handelskammerbericht datiert aus dem Jahre 1868. Seit 1865
sind regelmäfsig Jahresberichte erschienen.