Full text : Geschichte des Bremer Binnenhandels im 19. Jahrhundert namentlich unter den alten Verkehrsformen und im Übergang

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neue  soziale  und  staatliche  Organisation,  führte.  Das  blieb  so,  solange
Deutschland  Agrarexportland  war  bezw.  der  russische  und  amerikanische
Import  durch  die  modernen  Verkehrsmittel  noch  nicht  eingesetzt
hatte  und  die  moderne  Intensität  der  Landwirtschaft  nach  englischem ­
  Muster  durch  die  Übervölkerung  und  Überteuerung  Deutschlands ­
  hervorgerufen  bezw.  verstärkt,  aber  noch  nicht  unrentabel
wurde  *) *  2 ).  Der  südwestdeutsche  Zwergbesitz  ist  politisch  wohl
der  geringste  Faktor.  Der  alte  Agrarbesitz  war,  gemäfs  den  vorwiegend ­
  lokalen  Absatzverhältnissen  indifferent  gewesen,  nur
gelegentlich  verkehrsfeindlich  bei  Bedrohung  des  gewohnten  Rayons.
Demgemäfs  gruppierten  sich  auch  die  Parteien  in  Frankfurt,
wo  sich  der  Hamburger  Freihändlerverein  als  Hauptgegner  von
Duckwitz  etablierte 3 ).  Duckwitz  war  bereit,  sein  Programm  zu
modifizieren,  die  Einheit  schutzzöllnerischer  oder  freihändlerischer
zu  gestalten,  je  nachdem  die  Mehrheit  durch  Beitritt  oder  Ausfall
Österreichs  werden  würde.  Er  hielt  die  Verbindung  finanziell  und
wirtschaftlich  für  möglich,  wenn  auch  für  die  deutschen  Provinzen
Österreichs  wegen  des  Absatzes  in  den  Hebenländern  zunächst  für
nachteilig,  politisch  für  ziemlich  ausgeschlossen.  Er  wollte  die
Artikel,  auf  denen  die  Zolleinnahmen  bisher  hauptsächlich  beruhten,
bei  den  Sätzen  des  Zollvereins  nach  Möglichkeit  belassen,  keine
Lebensmittel-  und  Rohstoffzölle,  Industriezölle  (ca.  20  °/o),  Halbfabrikatzölle ­
  mit  Rückzoll,  Werft-  und  Schiffsausrüstungsfreiheit 4 ).
Wegen  der  Gegenseitigkeit  traten  Frankreich,  Belgien  und  die
Niederlande  an  die  Zentralgewalt  heran,  Belgien  leitete,  da  es  Vertrauen ­
  in  den  Bestand  der  Zentralgewalt  hatte,  einen  Vertrag  ein 5  б ).
Duckwitz’s  Programm  wurde  immerhin  zunächst  im  Volkswirtschaftsausschufs
  und  folgends  in  der  Nationalversammlung  nur  durch  Zusammenhalten ­
  der  Freihändler  mit  den  Gemäfsigten  gegen  die  ex-*)
  Siehe  Fufsnote  s )  auf  der  vorigen  Seite.
2 )  Die  englische  cornlaw-Gesetzgebung,  die  die  während  der  Kontinentalsperre ­
  intensiv  gewordene  englische  Landwirtschaft  gegen  den  Kontinent
schützte,  bestand  von  1815  bis  1846  (49).  Der  Getreideimport  aus  den  Ostseehäfen ­
  seit  den  neunziger  Jahren  des  18.  Jahrhunderts  betrug  1794  im  jährlichen ­
  Durchschnitt  3  Mill.  hl  Weizen  und  300  000  Ztr.  Mehl  im  Wert  von
3  Mill.  £.
а )  Siehe  Duckwitz  Papiere  und  die  Broschüren;  R.  v.  Mohl  u.  a.
4 )  Frankfurter  Papiere  des  verstorbenen  Herrn  Bürgermeisters  Duckwitz
im  Besitz  von  Herrn  Ferd.  Duckwitz  in  Bremen.
б )  Duckwitz,  Denkw.,  S.  92,  93.  Zölle  in  die  Reiohskasse  oder
Bundesstaatskassen,  je  nachdem,  ob  Reichsheer  oder  Bundesstaatskontingente
u.  a.  Fragen.  Differenzzölle  auf  6—8  Hauptartikel.  Erleichterung  der  Zollformalien. ­

            
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