Full text: Geschichte des Bremer Binnenhandels im 19. Jahrhundert namentlich unter den alten Verkehrsformen und im Übergang

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Handels auch ohne die Differenzialzölle verwirklicht, zumal ihm die 
Konsolidierung Deutschlands ohne die internationalen Rhein- und 
Scheldemündungen bei fortschreitendem näheren Verhältnis den 
grofsen Vorteil gebracht hat, und der in den vierziger Jahren er 
langte Vorsprung gut ausgenutzt worden ist, und ist bis zu den 
neunziger Jahren im transatlantischen Handel Hamburg teilweise ab 
solut, mindestens aber genügend relativ überlegen gewesen, wenn 
auch der europäische Handel in Hamburg bedeutend gröfser war. 
1884 beginnt die jetzige neuere Überholung der bremischen Reederei 
durch Hamburg’)• Dann ist Hamburg Bremen nachgekommen und 
hat es entsprechend überflügelt, und seitdem handelt es sich wieder 
um den durch die energische Modernisierung des Bremer seeseitigen 
Handels und die Eisenbahnen seit den vierziger Jahren verschobenen 
Kampf um die Binnen Verbindungen zwischen Holland-Belgien, 
Bremen und Hamburg. 
Dann kamen gröfsere Anstrengungen Österreichs, auf die Zoll- 
angelegenheiten Einflufs zu gewinnen, Versuche in den Zollverein 
aufgenommen zu werden oder das Zollwesen zur Bundessache zu 
machen, die Zeit von Olmütz 1850 und die erste Zollvereinskrise 
von 1852. Es handelte sich darum, ob Preufsen die durch den Zoll 
verein erlangte politische Stellung behalten werde. Gleichzeitig 
waren die Bestrebungen nach einem verstärkten Schutz bereit, 
die Anlehnung bei dem protektionistischen Österreich zu suchen, 
während Preufsen bei seinem mäfsigen Schutzzoll verharren wollte. 
Der Schlag, den Preufsen gegen diese Konstellation führte, war die 
Verständigung mit Hannover, dessen Steuerverein in den Grund 
sätzen sich wenig mehr von den preufsischen unterschied, auch 1837 
bereits ein Zollkartell abgeschlossen hatte und das nun bessere Be 
dingungen erhielt, als man sie vordem zugestanden hatte, und die 
Kündigung des Zollvereins 1851, womit die Krisis zum Ausbruch 
kam und überwunden wurde. Mit Österreich kam 1853 nur ein 
Handelsvertrag zustande. 
Während des Krieges 1866 bestanden die Zollvereinseinrichtungen 
faktisch fort. 1864 war der Zollverein wiederum gekündigt und 
1865 neu geschlossen worden, nachdem Preufsen sich 1860 auf die 
in Art. 25 des Vertrages von 1853 in Aussicht genommenen Ver 
handlungen wegen eines Anschlusses Österreichs einzugehen geweigert 
und Österreich 1862 Vorschläge an sämtliche Zollvereinsregierungen 
gemacht hatte. Mit dem 1862 abgeschlossenen französischen Handels- 
*) S. dazu E. Fitger, Ein Jahrzehnt in Schiffsbau, Reederei u. See 
schiffahrt, Volkswirtschaftliche Zeitfragen, Heft 239/40, Berlin 1909, S. 20.
	        
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