Deutschland arbeitet heute mit einer sehr stark konzentrierten
Wirtschaft, die in manchen wichtigen Zweigen ähnlich einheitlich
disponiert wird, wie in Amerika bereits ein ganzer Kontinent
disponiert.
Wir haben trustverwandte Bildungen und die Konzentration
unserer nicht als Zahlungsausgleichstellen, sondern als Spekulations
subjekte wirkenden Banken, arbeiten im internationalen Fracht
verkehr mit grofsen zusammengefafsten Gesellschaften als Nation.
Nicht mit diesen konzentriertesten Formen arbeitet bekanntlich
England, das in die neueste Entwicklung bereits als Freihandelsland
eintrat, und zu einer modernen imperialistischen Schutzzollpolitik
bei seiner zerstreuten Gemenglage und teilweise freihafenartigen
Stellung verhältnismäfsig wenig Anlafs hatte.
Man mag über diese Erscheinungen denken, wie man will, sie
zeigen jedenfalls am deutlichsten den weiten Weg, den die Deutschen
in dem Kampf des neunzehnten Jahrhunderts um die wirtschaftliche
Einheit durchmessen haben.
Auch wo bereits ein modernes Staatswesen als Grundlage vor
handen war, ist der grofse Sprung getan worden, der die Technik
und Wirtschaft des achtzehnten von der des neunzehnten Jahrhunderts
trotz aller Ansätze trennt, die Deutschen haben aber auch noch
um die Grundlage, den grofsen Staat, kämpfen müssen, und beide
Entwicklungen haben sich durchkreuzt. Wir sind als Parvenü wieder
unter die modernen Staaten getreten, im Kampf mit uns und andern.
Und darum sind die Unterschiede auch noch soviel gröfser als
anderswo. Einst safs ein Ackerbauvolk da, wo heute die doppelte
Anzahl von Millionen für alle Welt arbeiten mufs und kann, um
seinen Lebensunterhalt zu erwerben, und ihn reichlicher erwirbt als
einst. Die derzeitige Wirtschaft der Welt hat unter den Völkern
und Landkomplexen differenziert, wie einst zwischen Stadt und
Land, und Deutschlands Platz ist ein gewiesener gewesen. Mag
man sich über die Intensität, die die Entwicklung nach Industrie
und Handel annehmen dürfe, auch streiten, so haben doch nur die
natürlichen, dieser Entwicklung günstigen Bedingungen in Land und
Volk die Erhaltung des Volkes als Ganzes und seine Machtent
wicklung ermöglicht.
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