Full text : Geschichte des Bremer Binnenhandels im 19. Jahrhundert namentlich unter den alten Verkehrsformen und im Übergang

Hannover  hat  bereits  mit  seinem  Chausseebau  manche  Verschiebungen ­
  ausgelöst,  die  auch  heute  im  Bahnbau  noch  nachwirken.
Die  Residenzstadt  Hannover  liegt  insofern  in  der  modernen
Zeit  günstiger  als  früher,  weil  der  alte  Verkehr  weniger  leicht  von
der  geraden  Linie  abwich,  auch  wenn  Berge  zu  übersteigen  waren.
Braunschweig  liegt  von  Hamburg  aus  vor  dem  Harz,  —  wenngleich
er  auch  noch  zu  umgehen  ist,  wie  es  der  Verkehr  des  achtzehnten
Jahrhunderts  z.  B.  ziemlich  ausschliefslich  tat,  —  also  ungünstiger
in  neuerer  Zeit;  auch  die  Verlegung  des  Speditionsschwerpunktes
nach  Harburg,  von  der  uralten  Lüneburg-Braunschweigerstrafse  weg,
hat  Braunschweig  geschadet.  Von  Bremen  aus  liegt  Braunschweig
beinahe  so  günstig  wie  früher,  aufser  der  Verschiebung  des  Verkehrs
auf  Berlin  durch  die  aus  der  Initiative  der  Bremer  Handelskammer
zu  Stande  gekommene  Stichbahn  nach  Ulzen,  weiter  Salzwedel-Stendal
  1 ),  die  an  die  Bahn  anschliefst,  mit  der  Hannover  an  die
Stelle  des  altgewohnten  Braunschweiger  Weges  die  Route  durch
hannoversches  Territorium  setzte. *  2 )  Der  Hauptverkehr  nach  Osten
ging  dabei  früher  auf  Leipzig,  heute  auf  Berlin,  was  die  Verschiebung
natürlich  begründet.  Hannover  ist  heute  der  Erbe  des  alten  Verkehrsdreiecks ­
  Hannover,  Hildesheim,  Braunschweig,  in  dem  Braunschweig
der  bedeutendste  Platz  war.  Man  kann  auch  Minden  noch  unter
die  Städte  rechnen,  von  denen  Hannover  geerbt  hat,  und  auch  Celle,
das  heute  nur  eine  unbedeutende  Station  der  hamburg-hannoverschen
Bahn  ist,  während  vordem  der  hamburg-hannoversche  Weg  über
Winsen  und  Celle  ging  und  Celle  der  bedeutendste  Platz  des  uralten
Allerverkehrs  und  der  Bremen-Braunschweiger  Strafse  war;  auch  der
Verkehr  von  Lüneburg  nach  Braunschweig  ging  teil-  und  zeitweise
über  Celle,  und  eine  östliche  minder  bedeutende  Strafse  nördlich
Braunschweig  zweigte  in  Celle  ab.
Aller  beginnende  Verkehr  bedingt  Kompromisse,  um  die  Verkehrsmenge ­
  zu  erzielen,  die  ihn  regelmäfsig  macht,  in  alter  Zeit
kann  man  nur  einen  Weg  sicher  halten,  nur  dann  sicher  hoffen,
immer  Transportmittel  zu  haben,  in  neuerer  Zeit  ist  im  Anfang  nur
die  Kompromifsbahn  rentabel  und  schnell.
Hannovers  ursprüngliches  Prinzip  beim  Chausseebau  war  das
der  langen  Linie.  Je  länger  der  Transit  im  Lande  blieb,  desto

*)  Vergl.  Duckwitz,  S.  190.
2 )  Die  alte  Strafse  über  Braunschweig  nach  Leipzig  ging  über  Quedlinburg, ­
  in  der  Chausseenzeit  wurde  diese  Berate  zu  gnnsten  der  ebeneren  über
Egeln  verlassen,  sie  ist  auch  Kompromifsstrafse  für  Magdeburg.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.