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liehen Mittelpunkt des hannoverschen Verkehrs, Bremen, zu Gunsten
von Hamburg zurücksetzte, wobei hinzu kam, dafs man hoffte, mit
Harburg Hamburg den Rang abzujagen. Fiskalische Gründe liefsen
die Weser vernachlässigen, die als Zollausland seit den Schiffahrts
akten dem hannoverschen Zollsystem entzogen und nur der geringeren
gemeinsamen Weserschiffahrtsabgabe unterworfen war; die Flufs-
politik wurde besser nach der Domizilierung der Vereinten Weser-
Dampfschiffahrts-Gesellschaft in Hameln. 1 )
Von den Bremer kurzen Strafsen durch Hannover, die auf
Kleinstaaten, eine auch auf damals eingesprengtes preufsisches Gebiet
„Der Verfasser gesteht ganz offen, däfs von jeher ihm als Hannoveraner
die Anlage von Eisenbahnen durch das Königreich Hannover, namentlich in der
Richtung von Norden nach Süden, nur dann gerechtfertigt schien, wenn sie
als eine (unangenehme) Notwendigkeit sich darstellte. Was der Verfasser von
Eisenbahnen in und aufser Deutschland sah und hörte, hat zur Änderung
dieser in der eigenthümlichen Lage unseres Landes und dessen besonderen
Verhältnissen begründeten Ansicht nicht beigetragen. Allein jene unangenehme
Notwendigkeit scheint vorzuliegen, dies dürfte, wenn die Hamburg-Bergedorfer
Eisenbahn zu Stande kommt, nicht mehr zweifelhaft sein. Findet deren wahr
scheinliche Verlängerung am rechten Elb-Ufer statt, so möchten wir zu
spät bereuen, die von der Hamburger Gesellschaft dargebotene Hand nicht
angenommen zu haben.“ v. Reden, Das Königreich Hannover, II. Abt.,
1839, S. 389.
Etwas temperamentvoller in bremischer Beleuchtung:
„Man vernimmt häufig: wenn wir die Wasserstrafse so sehr vervoll
kommnen sollen, wozu haben wir dann kostspielige Landstrafsen? Ein Waarenzug
auf möglichst schweren und langsamen Fuhrwägen, wo nicht auf Schubkarren
nach der längsten Strecke von Minden bis Haarburg oder von Fallersleben bis
Bentheim, das ist der rechte, dem Lande nutzbarste Transit.“ (v. Hormayr),
Fragmente über Deutschlands insonderheit Bayerns Welthandel und die Freiheit
der Ströme, II, München 1841, S. 21.
Die Situation gestaltet sich in Holstein mit den Worten des etwa bremischen
Heine Ed. Beurmann, Skizzen aus den Hansestädten, Hanau, 1836, S. 14, so:
„Das Herz- und Rippen - Zermalmendste in der Welt ist unstreitig der
Weg von Hamburg nach Lübeck. Die beiden Schwestern möchten sich gerne
die Hand bieten, aber die dänische Regierung, die für Kiel, fürchtet, hat einen
entsetzlichen Steindamm zwischen beide Städte gelegt, der, wie ein kleines
künstlich zusammengetragenes Felsenmeer sich dem Auge darbietet und nur
Ton Reisenden, die sich eines festen Körperbaues erfreuen, befahren werden
kann. Diese Strafse macht sich wie ein neckischer Kobold über die deutsche
Einheit lustig, die sich hier in Holstein, Lübeck und Hamburg spaltet, und es
nicht einmal zu einer fahrbaren Strafse bringen kann. Die dänische Regierung
läfst sich überdies noch ein Weggeld für die Felsenmasso zahlen, für diesen
steinigen Hohn, mit welchem sie Lübeck verlacht.“
Vgl. a. die Karte zu dem späten Ausbau der Strafse.
') Dnckwitz, Denkwürdigkeiten, S. 12.