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die, welche 10 erhielt, erhält jetzt 12; für die verschiedenen Arten der Arbeits
leistungen sind die Leute jetzt freilich schlechter bezahlt; während früher
die ungelernten 10 bekamen, erhalten sie jetzt nur 6. Die Gesamtbevölkerung
erhält aber jetzt 54 Reallohn statt wie früher 30. Dieser eine Hinweis zeigt
zur Genüge, wie es schwer ist, die Rückwirkungen der Veränderungen, welche
das Geld- und Kreditwesen betreffen, richtig zu würdigen, solange die Über
sichtlichkeit mangelt. Dies ist ein weiteres Moment, welches dafür spricht,
daß im Kriegsfälle die Schaffung einer Großnaturalwirtschaft von leitenden
Politikern gewünscht werden kann. Wenn sie sich auch nur auf Nahrungs
mittel, Kohle und einige wichtige andere Bedarfartikel erstreckt, so ist da
mit doch sehr viel für die Durchsichtigkeit der Güterbewegung geschehen,
und gerade sie erleichtert viele Maßnahmen. Nichts ist störender als die
Unmöglichkeit, sich über das Schicksal der Geldsummen und Güter zu unter
richten.
11. Rückwirkungen des Kriegs und der Rüstungen
auf Produktion und Handel.
Ich habe schon gelegentlich darauf hingewiesen, daß die Ausgaben für
Rüstungen und Kriegszwecke auf die Produktion und den Handel in sehr
verschiedener Weise wirken können. Sie vermögen unter Umständen den
Handel, die Landwirtschaft, die Industrie gewisser Art erheblich zu schädigen.
Man entzieht ihnen Geld, das sie zur Erweiterung der Betriebe brauchen,
und führt es jenen Industriellen und Landwirten, welche für die Armee liefern,
sowie den Soldaten zu.
Wohl kommt das Geld wieder in Zirkulation, aber nachdem vorher die
Geldentziehungen bereits Betriebsreduktionen zur Folge gehabt haben können,
nachdem bereits Arbeitskräfte der Landwirtschaft und der Industrie entzogen
wurden. Die Geldsummen, welche für die Armee verwendet werden, drücken
zum Teil einen Entgang an Schulbildung, eine Verschlechterung der Hygiene,
eine Reduktion der Produktion aus. Es gibt Völker, welche durch die Auf
erlegung von Steuern nur zu einer erhöhten Produktion angeregt
werden. In ihrem Bemühen, den alten Lebensstandard wieder zu erreichen,
erweitern sie ihn nicht selten, andere wieder zahlen die Steuern und schränken
sich mehr ein. Dies letztere ist vor allem bei südlicheren Völkern nichts
Seltenes, auch Osteuropäer weisen häufig dieses Verhalten auf. Indirekt kann
so die Militärmacht empfindlich geschädigt werden. Denn eine vermehrte
Sterblichkeit, der Analphabetismus wirken ungünstig auf die Armee zurück.
Es bedarf konkreter Nachforschungen, ob die Aufnahme von Anleihen oder
Steuern auf ein Land lähmend oder anregend wirkt.
Die indirekten Wirkungen auf Produktion und Gesundheit müssen immer
im Auge behalten werden ; oft beachtet man sie erst, wenn es bereits zu spät
ist. Der Vorteil, der unmittelbar für die Armee erlangt wird, kann mittelbar
ihr wieder verloren gehen. Es kann schließlich dazu kommen, daß die Förde
rung der Hygiene, des Schulwesens, der Produktion von der Armee gefordert
wird, um die mittelbaren Schädigungen zu paralysieren. Die ersten Anregungen
zur deutschen Arbeiterschutzgesetzgebung, die sich in der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts entwickelte, gehen zum Teil auf die Beobachtungen eines
Offiziers zurück, der in den Rheinlanden, wo sich die Industrie überaus rasch
ausgebreitet hatte, erschreckende Rückgänge der Tauglichkeit bei den Stel
lungen beobachtete. Es war klar, daß durch Fürsorge für die Arbeiter, Ver
ringerung der Arbeitszeit, Verbesserung der Arbeitsbedingungen usw. Abhilfe
geschaffen werden konnte.
Für Österreich-Ungarn sind solche Erwägungen von größter Wichtigkeit,
weil die Monarchie unter den Rüstungen weit schwerer leidet, als etwa
Deutschland, das in lebhaftestem Aufschwung begriffen ist. Österreich-Ungarn
entwickelt sich an sich langsamer als Deutschland, durch die Aufwendungen
für die Armee wird die Entwicklung nicht beschleunigt. Die Armee hat