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,Der Wertgedanke“,
daß wir der herkömmlichen Meinung zunächst beitreten, daß wir ihr
gleichsam Recht geben, uns dann aber überzeugen, ob die tatsächlichen
Verhältnisse ihrerseits jene herkömmliche Meinung bestätigen, oder ob
sie ihr irgendwie widerstreiten.
Wir nehmen also an, daß es sich für die ganze „Wertlehre“ in
der Tat um das Erledigen des Singularobjektes „Wert“, als des Einen,
für jedermann nämlichen Gegenstandes handle. Auch unter dieser
Annahme bliebe den verschiedenen Versuchen, jenes Objekt je vom
Standpunkte eines bestimmten Theoretikers aus zu erledigen, eine
gewisse Mannigfaltigkeit unbenommen. Es soll dabei weniger
an die unvermeidlichen Abweichungen gedacht werden, die sich aus
der Eigenart der subjektiven Anschauungen ergeben könnten; vielmehr
an den Umstand, daß auch die Erledigung von Ein und Demselben
immer noch nicht bloß in verschiedenem Ausmaße, sondern auch
unter wechselnden Gesichtspunkten und nach getrennten Richtungen
erfolgen kann. Aber alle diese subjektiven Beiträge zur Erledigung
jenes Einen Objektes würden notwendig gewisse Berührungs
punkte gemein haben, an denen sie sich — unter Wahrung des
Spielraumes für die Sonderheiten in den subjektiven Anschauungen —
inhaltlich überdecken müßten.
Der vornehmste dieser Berührungspunkte wäre in unserem Falle
durch die Frage markiert: „Was ist der Wert?“ Diese Frage dürfte
unter der gesetzten Annahme nicht bloß mit Fug und Recht aufge
worfen werden, sie wäre unter dieser Annahme auch eines, stets und
immer desselben Sinnes, und eben gerade auf diesen Umstand
hin für alle subjektiven Beiträge zur Erledigung jenes Objektes ein ge
meinsamer Berührungspunkt. Was aber ihre Wichtigkeit anbelangt, so
ist es klar, daß alles Erledigen jenes Einen Objektes, gleichviel von
welchem Standpunkte aus es unternommen würde, und in welchem
Ausmaße, unter welchem Gesichtspunkte und nach welchen Richtungen
es durchzuführen wäre, an dieser Frage zu beginnen, bei ihr gleichsam
einzusetzen hätte 1 ).
Im folgenden ist nun eine Vielheit solcher Antworten auf die
Frage „Was ist der Wert?“ zusammengestellt; jede einzelne bündig
’) Es ist dabei wieder gleichgültig, in welcher Art und Weise sich der einzelne
Theoretiker mit dieser Frage abfindet. Ob er sie sozusagen vom Fleck weg beantwortet,
oder ihre Antwort auf dem Wege einer mehr oder minder weit ausholenden Ableitung
zu erbringen sucht. Eine Antwort auf diese Frage liegt schließlich auch darin, sobald
man — ob nun mit Recht oder Unrecht — behauptet, daß es um der Selbstverständ
lichkeit, der allgemeinen Bekanntheit ihrer Antwort wegen gar nicht nötig sei, diese
Frage aufzuwerfen.