Full text : Geschichte des Bremer Binnenhandels im 19. Jahrhundert namentlich unter den alten Verkehrsformen und im Übergang

Übrigens  ist  die  alte  Tradition  noch  insofern  wirksam,  als  die
Bremer  Fahrknechte  ihren  Peitschenbedarf  noch  heute  in  den
Kneipen  und  kleinen  Läden  der  Osterstrafse  zu  decken  pflegen.  In
der  Gegend  liegen  auch  heute  noch  die  meisten  Ausspannwirtschaften,
die  jetzt  der  Bauernverkehr  benutzt,  der  nach  dieser  Torgegend,  wo
noch  die  wenigsten  Eisenbahnen  und  kein  Schiffsverkehr  ist,  allerdings
auch  am  zahlreichsten  ist.
Ein  ziemlich  reger  Wagonbau  bestand  in  Leeste  und  Brinkum. 1 )
Das  Fuhrwerk,  das  das  bremische  Güterbestederinstitut  im
neunzehnten  Jahrhundert  nochmals  besonders  scharf  zusammenfafste,  ist
ein  fluktuierendes  handwerksmälsiges  Kleinfuhrwerk,  das  damals
namentlich  auf  den  Dörfern  und  in  den  kleinen  Städten  zu  Hause  war.
Die  Fuhrleute  von  damals  pflegten  ihre  Heimat  zu  befahren,
und  hielten  sich  auch  wohl  an  ihnen  günstige  Strafsenkombinationen,
gingen  aber  auch,  wenn  die  Frachtkonjunktur  sich  schlecht  erwies,
von  Leipzig  nach  Wien,  von  Wien  nach  Triest  mit  neuer  Fracht,
statt  zurück  nach  Bremen.  Gelegentlich  waren  sie,  besonders  Unverheiratete, ­
  sehr  lange  vom  Hause.  Der  Hofbauer,  der  in  Norddeutschland ­
  die  Fuhrleute  stellte,  vernachlässigte  darüber  oft  seine
Wirtschaft,  die  Knechte,  Söhne,  Frauen  und  Töchter  besorgen
mufsten,  soweit  nicht  schon  der  Haussohn  der  Fuhrmann  war. 2 )
Übertrag...  82  000  79  500
Louis  Rmnpsfeld,  Stadt  Hannover,  Osterstr.  6  5  000  4  000
J.  P.  Böning,  Zum  ßeichsverweser,  gr.  Annenstr.  15  (15,16)  1  500  1  000
Summa...  o/f  88  500  84  500
Bremer  Staatsarchiv.  Ich  habe  die  Gasthofsnamen  aus  dem  Bremer
Adrefsbuch  den  Bositzernamen  etc.  beigefügt;  manche  der  Gasthäuser  bestehen
schon  lange,  und  andererseits  noch  jetzt.  Ein  Teil  der  Häuser  ist  auch
heute  noch  im  alten  Zustande.  Veränderte  neue  oder  genauere  Bezeichnung  in
den  Klammern.
*)  J.  6.  Kohl,  Der  Verkehr  u.  die  Ansiedelungen  d.  Menschen  in  ihr.
Abhängigkeit  v.  d.  Gestalt,  d.  Erdoberfläche,  Dresd.  u.  Loipz.  1841,  S.  192,  sagt,
dafs  fast  die  Hälfte  der  dem  Handel  der  Stadt  notwendigen  Lastwagen  dort
gebaut  werde.  Vgl.  a.  v.  Reden,  D,  Kgr.  H.,  II.  Abt,  S.  345.
2 )  Vgl.  u.  a.  das  Schreiben  des  Amts  Syke  an  die  Frachtfuhrinspektion
in  Bremen  vom  28.  August  1827,  Bremer  Staatsarchiv;  Vorstellung  der
gröfseren  Handels-Deputation  in  Bremen  an  die  Herren  Bevollmächtigten  der
Weser-Ufer-Staaten  der  bey  der  Regulierung  der  Flufs-Schiffahrt  in  Minden  versammelten ­
  Commission,  betreffend  den  Pferde-Vorspann,  Bremen  1822,  S.  6
(Sammlung  Oberweserschiffahrt  der  Stadtbibliothek);  auch  die  nachher  zitierten
Angaben  von  Patje.  Zum  Teil  sprechen  besondere  Verhältnisse  mit,  die  ich
schon  im  Anfang  dieser  Arbeit  angedeutet  habe.  Zu  den  Thüringer  Verhältnissen, ­
  wo  das  Fuhrwerk  mehr  Hauptgeschäft  sein  konnte,  und  wo  besonders
häufig  vielfach  der  Grund  zu  recht  respektabler  Wohlhabenheit  auf  der  Strafse
gelegt  wurde,  s.  u.  a.  L.  G  e  r  b  i  n  g,  Thüringer  Fuhrmannsleben  in  vergangenen
Tagen,  Zeitschrift  für  Kulturgeschichte,  Bd.  III,  1896,  S.  197.
            
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