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grofsen Oberweserkahntypen sowohl die Unterweser wie die Ober
weser befahren, je nachdem ob das Gut zum direkten Umschlag
in in Bremen, Bremerhaven, Brake liegende Seeschiffe oder auf Lager
bestimmt ist.
Die Oberweserböcke gingen auch um 1800 an Bremen vorbei
bis zu dem bremischen Hafenplatz Yegesack, zuweilen auch wohl
unter günstigen Verhältnissen bis Brake 1 ). Später kam das sehr
selten mehr vor, da ihre Konstruktion nicht für die ünterweserfahrt
geeignet war und Bremerhaven nur in der Leichterschiffahrt von
Bremen aus zu erreichen war 2 ). Bremen wurde nicht mit
Unrecht der Vorwurf gemacht, ebenfalls ein stapelmäfsiges Schiff
fahrtshindernis bestehen zu lassen 3 ), seine Weserbrücke mit den
Schiffsmühlen, bei der nur das eine Joch an der Altstadt Fähr-
gatt war; erst 1841 ist die neue Brücke 4 ), deren Steinpfeiler bis
zum Bau der jetzigen gestanden haben, an die Stelle getreten. Die
Oberweserböcke mufsten auch für Bremen durch die Brücke zum
Umschlag von Bord zu Bord an die Schlachte oder, um in die kleine
Weser zu gelangen. Sie konnten aber auch an der mit Wuppen
versehenen sog. kleinen Schlachte bei der Holzpforte löschen und
laden und die 1818 als Oberländischer Hafen eingerichtete Piepe
wurde mit Zugang von der Oberweser angelegt. Die Flöfse mufsten,
wenn sie nicht an der alten Holzpforte blieben, durch die Brücke,
um in den Flofshafen vor dem Buntentor zu gelangen 5 ).
1) Patje, S. 440 ff.
2 ) S. v. Reden, II. Abt., S. 289, und Meidinger IV., S. 36; wegen der
Schiffskonstruktion u. a. auch W. Metterhausen, S. 61 ff, zu den neueren
Konstruktionen mit hohem Bord, da die heutigen Oherweser-Kähne auch die
ünterweser befahren. Geh. Oberbanrat Hagen gibt 1835 an, dafs ein Mindener
Schiffer mehrmals bis Brake gefahren ist und sich vielleicht nach Bremerhaven
zu fahren getraut, s. Keller, III. Bd., S. 328. Die Mindener Handelskammer
berichtet 1884, dafs die Oberweserschiffe jetzt mit Erfolg über Bremen hinaus
gehen. Jahresb. d. H. v. Minden f, 1884, S. 31, 1885, S. 31.
3 ) Fr. v. Ee den, II. Abt., 1839, S. 106 u. 159; vgl. a. K e 11 e r, III. Bd., S. 338.
4 ) Duckwitz, Denkwürdigkeiten, S. 177; R. Graepel und M. Fischer,
in Bremen und seine Bauten 1900, S. 540; Fr. Buchenau, Die freie Hanse
stadt Bremen, 1900, S. 60; Keller u. a.
5 ) Vgl. Bremer Handelskammerarchiv; Staatsarchiv; Sammlg. verschied.
Verordn, in Handlgs.- etc. Sachen, Bremen (1750), S. 105, 162; v. Reden,
II. Abt., S. 159 u. im folg. Die alten öffentlichen Ladeplätze waren die alte,
grofse und neue Schlachte, die kleine Schlachte an der Holzpforte und das
bezw. die Teerhäuser. Aufserdem gingen ganze, halbe und Viertelsladungen
auch nach Visitierung an der Schlachte an die Packhäuser, wie man auch bei
Frachtfuhrwerksgesamtladungen direkte Abladungen u. v. v. hatte. Korn, Holz
und Heu brachte man auch jeden Orts auf. (Schlachtordnung vom 22. Nov. 1747.)