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fühlen würde, diese Summe, das sogenannte steuerfreie Notenkontingent, zu
überschreiten, wenn der Zinsfuß über 5 Prozent betragen sollte. Denn wenn
bei der Diskontierung die Bank etwa 4 Prozent verdient, aber 5 Prozent
Notensteuer zahlen muß, erleidet sie ja einen Verlust. Ein Diskontsatz, der
5 Prozent übersteigt, erschien als das Zeichen wirklich begründeter Geld
knappheit, welche eine Mehremission von Noten rechtfertigen dürfte. Es hat
sich inzwischen gezeigt, daß die Notenbank im Interesse der Handelswelt
mehrfach genötigt war, besteuerte Noten auszugeben, ohne daß der Diskont
satz 5 Prozent erreicht hätte.
Wenn man so die Zufälligkeit sieht, welche der 1/3- oder ^/^-Deckung
anhaftet, wobei man s<ich noch überdies darüber klar sein muß, daß diese
sogenannte Metalldeckung in Österreich-Ungarn zum Teile aus metallischem
Zeichengeld besteht, so muß man sich fragen, ob nicht irgend ein be
deutsamer Zusammenhang zwischen der M e t a 11 deckung und
der zirkulierenden Notenmenge besteht. Am meisten dürfte
noch folgende Überlegung die Klärung dieser Frage fördern. Wenn viele
Noten zirkulieren, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß Leute Devisen
kaufen wollen, weshalb ein Gold- oder Devisenvorrat bereitgehalten werden
muß. Man sieht, daß nicht die Notenmenge an sich einen Bestand an Aus
landszahlungsmitteln notwendig macht, sondern jener Teil der Notenmenge,
welcher zur Beschaffung von Devisen dient. Ob aber viel oder wenig De
visen angeschafft werden, hängt vom Außenhandel ab. Und ob es zu Gold
exporten kommt, die dazu dienen, Devisen herbeizuschaffen, das hängt wieder
davon ab, ob die Zahlungsbilanz eines Landes aktiv oder passiv ist. Die
Zahlungsbilanz wieder ist oft in erster Reihe durch die Handelsbilanz be
stimmt. Wir können daher eher eine Beziehung zwischen der Handelsbilanz
und der Golddeckung aufstellen. Wir sehen daraus auch, daß die Metall
deckung, soweit sie aus metallischem Zeichengeld besteht — in Österreich-
Ungarn aus Silbergulden und Teilmünzen der Kronenwährung —, nicht mit der
Golddeckung zu einem Ganzen vereinigt werden kann, wie dies so oft geschieht.
Das metallische Zeichengeld hat eher den Charakter von Noten und es würde
manches dafür sprechen, die Zirkulation von metallischem Zeichengeld ebenso
wie jene von papierenem Zeichengeld zu behandeln.
Wird mobilisiert oder beginnt der Krieg, so benötigt der Staat, wie wir
schon erwähnten, große Mengen an Goldgeld. Dies ist am meisten der Fall,
wenn es sich um einen Krieg mittleren Umfanges handelt, in dem die neu
tralen Mächte Waren zu liefern vermögen. In einem Weltkrieg
hat das Gold wahrscheinlich geringere Bedeutung, weil ja eine Beschaffung
von Waren aus neutralen Gebieten nicht möglich ist, falls es überhaupt Mächte
geben sollte, die sich in einem Weltkrieg neutral verhalten. Um das Gold
und die Golddevisen dem Staate zu reservieren, werden die Notenbanken
wohl alle Mittel anwenden, um die Gold- und Golddevisenabgaben möglichst
zu beschränken. Wo die Barzahlung besteht, wird sie im Kriegsfall meist
aufgehoben werden. Dies war z. B. in Bulgarien während des Balkan
krieges der Fall, teilweise auch in Serbien, wo die Einlösung der Geldnoten
nicht wie bisher in Gold erfolgte, sondern nur zu drei Vierteln in Gold,
zu einem Viertel in silbernem Zeichengeld. Was soll es für einen Sinn
haben, die Barzahlung, wo sie besteht, um jeden Preis aufrecht zu erhalten,
wie manche vorschlagen? Als 1848 die österreichische Nationalbank, die Vor
gängerin der österreichisch-ungarischen Bank, von einem Run heimgesucht
wurde, hat sie die Barzahlungen so lange aufrecht erhalten, als sie konnte.
Sie stellte sie ein, als sie fast kein Geld mehr in ihren Kassen hatte. Diese
Bereitwilligkeit zur Barzahlung bewirkt keine Erhöhung, sondern schließlich
eine Erschütterung des Prestiges. Da die Regierung aber Geld brauchte,
um die Truppen in Italien zu versorgen, mußte das Silber mit großen Kosten
wieder — zum Teil aus dem Auslande — zurückgekauft werden. Viel zweck
mäßiger verfuhr die Bank von Frankreich, welche im deutsch-französischen
Krieg die Barzahlungen zu einer Zeit einstellte, als die Noten zu 2/3 metallisch
gedeckt waren. Noch weiter ging die bulgarische Regierung während des
Balkankrieges, indem sie überhaupt jeden Goldexport unmöglich machte. Sie