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Aber die Fürsorge für die Realien kann sich nicht allein darauf beschränken,
die innerhalb des Landes erlangbaren Quanten zu berücksichtigen.
Man muß auch mit dem Import rechnen. Insbesondere Lebensmittel, Kvie
Fleisch, wird man in Kriegszeiten in Österreich-Ungarn gerne zu importieren
suchen. Auch was die Frage des Importes anlangt, hat man mit schwierigen
Problemen verschiedenster Art zu kämpfen. So wird von manchen Seiten
nicht mit Unrecht darauf hingewiesen, daß man nur dann im Kriegsfälle mit
Fleischimport rechnen kann, wenn er bereits in Friedenszeiten organisiert ist,
da die Bereitstellung geeigneter Schiffe, die Organisation des Fleischverkehres
immerhin erhebliche Zeit in Anspruch nimmt, vor allem müssen immer erst
Erfahrungen gesammelt werden. Dagegen wird von der anderen Seite erwidert,
daß die Organisation der Fleischeinfuhr in Friedenszeiten den einheimischen
Fleischproduzenten eine derartige Konkurrenz mache, daß die inländische
Produktion darunter schwer leiden würde. Man würde den Import
ermöglichen, aber nur auf Kosten der eigenen Erzeugung. Dies sei aber insbesondere
deshalb sehr gefährlich, weil in einem größeren Kriege das Adriatische
Meer wohl gesperrt werden dürfte.
Selbstverständlich bringt ein großer Krieg Ausfuhrverbote aller
Art, sowohl was Kriegsmaterial, als auch was Lebensmittel anbelangt. Auch
im Vorbereitungsstadium sind Pferdeausfuhrverbote nichts Seltenes. Von manchen
Seiten wird gewünscht, daß man diese Ausfuhrverbote möglichst weit
ausdehnt und auch Glasflaschen, Tuchsorten usw. darunter begreift, wogegen
von anderer Seite eingewendet wird, daß dies Artikel seien, welche auf dem
internationalen Markte, solange kein Weltkrieg ausgebrochen ist, leicht beschafft
werden könnten, so daß das Resultat weitgehender Ausfuhrverbote nur
das wäre, daß die Kaufleute dritter Staaten statt jener des eigenen Vorteile
hätten. Manche sind daher der Meinung, man solle Ausfuhrverbote im
allgemeinen auf Artikel beschränken, die man selber benötige, oder die der
Staat, den man zu hemmen sucht, sich anderswo gar nicht oder nur sehr schwer
beschaffen kann.
Das Problem des Imports führt uns zu der Frage, in welchem Ausmaße
man im Kriegsfälle auf die Neutralität mancher Einfuhrwege rechnen kann,
wie sehr man durch die internationalen Abmachungen gedeckt ist. Die Erfahrungen
aus der Vergangenheit sprechen dafür, daß in
einem Weltkrieg das Völkerrecht nicht allzusehr beachtet
werden dürfte. In den militärischen Kreisen aller Staaten bringt man
ihm verhältnismäßig wenig Ehrfurcht entgegen ; gerade auf die Stimmung
militärischer Kreise kommt es aber im Kriegsfälle wesentlich an, da der Wille
der kommandierenden Feldherren begreiflicherweise dann weit mehr in die
Wagschale fällt als in Friedenszeiten. Wenn man daher die Bedarfsdeckung
für den Kriegsfall ins Auge faßt, muß man immer
auch den Fall berücksichtigen, daß der Staatenbund, dem
man angehört, im Kriegsfall auf sich selbst gestellt sein
kann.
Bekanntlich ist das Prinzip, daß das Privateigentum zur See zu respektieren
sei, noch immer nicht durchgedrungen — aber auch wenn es durchgedrungen
wäre, müßte man vorsichtigerweise mit seiner Verletzung rechnen.
Im Jahre 1866 wurde das Privateigentum zur See von Deutschland, Italien
und Österreich-Ungarn respektiert. 1871 haben die Franzosen das Privateigentum
zur See nicht respektiert, weshalb es dann auch die Deutschen nicht
respektierten. Aber selbst wenn genaue Bestimmungen über die Respektierung
neutralen Privateigentums bestehen, das nicht absolute Konterbande ist,
hat der feindliche Admiral noch immer die Möglichkeit, daß er gegen die
Bestimmungen des Völkerrechts die Schiffe wegnimmt und sie daheim abliefert.
Die Regierung zahlt dann eventuell später eine Entschädigungssumme.
Für den Augenblick ist aber der eine kriegführende Staat um eine Sendung
Lebensmittel gekommen. Der Schaden, den er dadurch vielleicht in seinen
militärischen Operationen erleidet, wird durch eine Qeldentschädigung, die
später einmal ausgezahlt wird, nicht wettgemacht. Kurzum, man muß allen
internationalen Vereinbarungen heute noch mit größtem Mißtrauen gegenüber-