den Arzt kann keine Rede sein. Wenn der Arzt etwas zu sagen
hat, dann empfiehlt er Karzer. Man braucht nur die Bücher von
Kosta Foru und Barbusse zu lesen. um darüber ein eingehendes Bild
zu erhalten,
Von einer Behandlung der Tuberkulosekranken — 10 Prozent
aller Gefangenen sind. tuberkulös erkrankt — kann ebenfalls keine
Rede sein,
Wenn aber dieses Regime sich nicht noch fürchterlicher aus-
wirkt, so ist das ausschließlich der Wachsamkeit des internationalen
Proletariats und dem Proteststurm der Werktätigen aller Länder
unter Führung der IRH zu verdanken,
Die hygienischen Verhältnisse in den einzelnen Gefängnissen sind
schrecklich. In einem Raum, der ungefähr drei bis vier Meter groß
ist, sind in Jilawa auf Holzpritschen, die von Holzwanzen durchsetzt
sind, 18 bis 20 Gefangene untergebracht. Die Fenster sind ganz
klein. Ausgang eine Stunde am Tage im sogenannten Hof, in Wirk-
lichkeit aber ein unterirdischer Keller, in dem durch ein Kanalgitter
Licht hineinfällt, Kleider, Wäsche, so etwas kennt die rumänische
Gefängnisverwaltung nicht, Lebensmittel von außen zu erhalten, ist
eine ausnahmweise Vergünstigung, in der Regel aber wird sie ent-
zogen,
Die Lage der Angehörigen unter diesen Verhältnissen zu schil-
dern, wird sich wohl erübrigen. Die meisten wohnen auf der Straße,
weil sie die Miete nicht bezahlen können, Die Gefangenen schreiben
verzweifelte Briefe und bitten, die Unterstützung für sie ihren An-
gehörigen zukommen zu lassen, damit diese wenigstens leben können,
denn „wir haben doch unsere Nahrung“,
Das ist ein beiläufiges Bild, Ich habe Ihnen gesagt, ich will
ohne Leidenschaft, ohne persönliche Färbung, ohne Ausschmückung
mit Einzelbildern die Lage schildern,
Seit Jahren führt die IRH einen Kampf um das physische Leben
dieser Gefangenen, denn ein, zwei oder drei Jahre Zuchthaus in
Rumänien bedeuten eine unbedingte, durch Ausnahmen nur bestätigte
Todesstrafe. ;
Seit den Jahren 1920/21 besteht das Regime in dieser Schärfe.
Es ist dank den ausländischen Protesten nicht um vieles härter ge-
worden, nicht zu Massenmorden gekommen, dank der Wachsamkeit
des ausländischen Proletariats, dank der Tätigkeit der Internationalen
Roten Hilfe. Und dessen sind sich auch die Gefangenen überall voll-
auf bewußt,
Als es in Wien bei den Juliereignissen Hunderte von Toten und
Verwundeten gab, waren die Gefangenen in Jilawa sich ihrer Soli-
daritätspflicht bewußt. Was sie in harter, monatelanger Arbeit pro-
duziert hatten, Schachspiele, Zigarettendosen, Holzarbeiten, sandten
sie nach Wien und forderten, daß der Erlös für die Angehörigen der
Toten und Verwundeten verwandt würde, Das einzige, was die Ge-
fangenen noch aufrecht erhält, ist eben die wirksame praktische Be-
tätigung der internationalen Solidarität,
Katayama-Japan-
Bei uns sind fast alle Gefängnisse nach europäischem Muster ein-
gerichtet, hohe Gefängnismauern und bewaffnete, in europäische An-
.
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