Full text: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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in engem Anschluß an die vorhandenen Gebilde schrittweise zu Generalisierungen 
übergeht, wenn es auch vielleicht durchführbar wäre, aus den schon bestehenden 
Theorien des Wirtschaftslebens durch Variation die verschiedenen Möglichkeiten 
— unter denen sich auch die Wirtschaftsordnung im Kriegsfall befinden müßte — 
herzuleiten. 
Für den Kriegsfall ist eine spezielle Theorie notwendig ; das ergibt sich 
daraus, daß sich die Kriegskrisis von den immer wieder auftretenden, für unsere 
Wirtschaftsordnung charakteristischen Krisen wesentlich unterscheidet. Während 
z. B. die „normale“ Wirtschaftskrise einen langsamen Verlauf nimmt, indem 
sie die gesamte Volkswirtschaft zu einer sukzessiven Liquidation zwingt, und 
meist von einer bestimmten Stelle beginnend sich auf andere Gebiete ausdehnt, 
tritt die Kriegskrisis meist plötzlich ein und trifft alle Teile der Wirtschaft 
gleichzeitig. Die Einberufungen wirken auf Landwirtschaft und Industrie einer 
seits wie eine große Seuche, reduzieren aber andererseits nicht das für ein, 
Land erforderliche Nahrungsquantum. Es tritt häufig eine Vermehrung der 
Zirkulationsmittel ein, die anders wirken kann als in Friedenszeiten, weil ab 
weichende Begleiterscheinungen vorliegen. Dabei genügt es keineswegs, etwa 
die Friedenswirtschaft herzunehmen und nun zuzusehen, wie deren als isoliert ge 
dachte Bestandteile im Kriegsfall verändert werden, etwa das Geldwesen, der 
Kredit, die Produktion usw., man muß vielmehr die Zusammenhänge als 
Ganzes untersuchen, wie es schon seit langem nicht mehr geschehen ist. Mir ist 
nicht bekannt, daß seit dem trefflichen Werk des geistvollen Joseph Lowe, 
der heute so gut wie vergessen ist, wieder der Versuch gemacht wurde, ein Bild 
aller dieser Zusammenhänge zu entwerfen und vor allem die Verschiebungen 
des Realeinkommens festzustellen, auf das es ja in erster Linie ankommt.^) 
Lowe hat in ausgezeichneter Weise seine Aufgabe gelöst, wenn auch nicht 
allen seinen Ergebnissen zugestimmt werden kann. Daß gerade in jener Periode 
eine derartige Untersuchung angestellt wurde, kann nicht wundernehmen, 
lieferte doch die Zeit der Napoleonischen Kriege reiches empirisches Material, 
während gleichzeitig die theoretische Nationalökonomie sich mächtig entfaltet 
hatte. Hierzu kam noch der mehrfach beachtete Umstand, daß manches auf 
eine Reichtumszunahme Englands während des Krieges hinzudeuten schien, was 
viele dazu veranlaßte, geradezu den Friedensschluß zu fürchten. Die Mehr 
zahl der Autoren beschränkte sich aber doch auf einzelne Fragen, so z. B. P. 
Colquhoun in seinem ausführlichen und trefflichen Werke über Englands 
Reichtum.^) Das gleiche gilt von verwandten Untersuchungen dieser Zeit.^) 
Allgemeiner erörtern einschlägige Fragen Too ke und Newmarch.ß) Dieser 
Gedankenwelt gehört in gewissem Sinne auch das originelle, heute nur noch wenig 
benutzte Werk von G ü 1 i c h an, der den Versuch unternahm, die Handels 
geschichte nach Kriegs- und Friedensperioden einzuteilen. Er berücksichtigte in 
3) Joseph Lowe, The present State of England in regard of Agriculture, 
Trade and Finance; with a comparison of the Prospects of England and France, 
1. Aufl., London 1822. Es existiert eine durch Zusätze und Erörterungen ver 
schiedener Art sehr interessante Übersetzung des deutschen Nationalökonomen 
L. H. V. Jakob. Lowe war Kaufmann und Gelehrter und vereinigte ähnlich 
wie Ricardo Sinn für die Empirie mit theoretischen Neigungen. Zucker- 
kand 1 berücksichtigt ihn im Artikel „Preis“ des Handwörterbuchs der Staats 
wissenschaften. 
P. Colquhoun, A Treatise on the Wealth, Power, and Resources of 
the British Empire, in every Quarter of the World, including the East Indies: 
The Rise and Progress of the Funding System explained ; With observations on 
the National Resources for the beneficial Employment of a redundant Popu 
lation, and for rewarding the Military and Naval Officers, Soldiers, and Seamen, 
for their Services to their Country during the late war,. . . . London 1814. 
Z. B. J. Sinclair in seinem dreibändigen Werk: The History of the 
Public Revenue of the British Empire, London 1803—1804. 
®) T h. Too k e and W. Newmarch, A history of prices and of the 
state of the circulation from 1793—1856. London 1838—1857.
	        
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