Full text: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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und ein kostbares Hausgerät hat. Denn deren Verbrauch trägt nicht zu seinem 
ferneren Auskommen bei. Aber den Mann, der liegende Gründe hat, die ihm 
entweder die Geldeinkünfte geben oder deren Ertrag er für Geld verkaufen 
und daraus sein Auskommen nehmen kann, den Mann nenne ich reich 
Ich werde nun in der Folge, wenn ich vom Nationalreichtum rede, alles Eigen 
tum einzelner und aller Mitglieder darunter verstehen, dessen Nutzung entweder 
in Geld gegeben wird oder einen Geldeswert hat.'' Das heißt, wenn z. B. die 
Geldschätzung in einem späteren Jahre eine größere Summe ausweist als in 
einem früheren, so würde man sagen, der Nationalreichtum hat zugenommen, 
wenn z. B. auch die Gesamtheit der Realeinkommen gesunken wäre. Diese Kon 
sequenz wurde freilich meist nicht überdacht und im allgemeinen herrschte 
wohl die Anschauung vor, daß einem größeren Nationalreichtum in Geld aus 
gedrückt auch ein größeres Realeinkommen entspreche. 
Dieser Sieg der reinen Geldrechnung ist die Ursache, daß in dem so 
mühsam gearbeiteten Werk von Colquhoun®), das für die Kriegswirtschaft 
der napoleonischen Epoche viel wertvolles Material liefert, fast sämtliche 
Daten in Pfund Sterling ausgedrückt sind. Gerade in Kriegsperioden, wo 
die Preise sich rasch ändern, ist damit ungemein wenig über jene Dinge ausge 
sagt, die uns z. B. heute besonders interessieren. Colquhoun gibt den Import 
von Baumwolle usw. in Pfund Sterling an, er gibt die Lebensmittelproduktion 
in Pfund Sterling an. Von einer Naturalrechnung keine Spur. Und wie 
wichtig wäre es z. B., zu erfahren, welche Quantitäten Baumwolle, Lebensmittel 
England damals importierte, welche Mengen Lebensmittel damals produziert 
wurden. Wenn man die Arbeit Colquhouns etwa mit einer rein ernährungs 
technischen Ballods oder mit der umfassenden Poppers^) vergleicht, die 
die reine Naturalrechnung durchführen, so sieht man den Unterschied in der 
Betrachtungsweise. Aber diese Arbeiten, welche vor dem Weltkrieg erschienen, 
wurden zu rein praktischen Zwecken verfaßt und hatten eigentlich keinen An 
schluß an eine Theorie. Dabei erscheint die Geldwirtschaft keineswegs immer 
als solche in der Theorie, oft werden z. B. die Verschiebungen der Güter 
quantitäten abgehandelt, ohne daß von Geld die Rede ist, aber die Auswahl der 
Verschiebungsmodalitäten, die Art der Betrachtung umfassen nicht alle mög 
lichen Verschiebungsarten, sondern bevorzugen gewisse Tauschtypen, die ihre 
volle Bedeutung durch die geldwirtschaftliche Verwertung erlangen. Im Hin 
blick auf dieselbe wurde ja auch die ganze Abstraktion in erster Reihe vor 
genommen. Eine Theorie, welche die Verschiebung der Güter und deren Ein 
fluß auf den Reichtum wirklich allgemein behandeln wollte, müßte auch 
jene Verschiebungen erörtern können, die etwa der Staat autoritativ vornimmt. 
Es könnte sich dann etwa zeigen, daß auf diese Weise nur ein geringerer Reich 
tum einer Gruppe von Individuen oder aller Individuen erreichbar ist, als z. B. 
durch freie Konkurrenz oder durch einen Tausch zwischen Monopolbesitzern. 
Wenn aber auch die siegreiche Theorie der Marktwirtschaft sich überallhin 
verbreitete, so wurde doch immer wieder von nationalökonomischer Seite das 
Bedürfnis gefühlt, den Wohlstand, das Realeinkommen der einzelnen Menschen 
gruppen zu erfassen. Aber diese Bestrebungen behielten meist eine gewisse 
untheoretische Form und litten überdies darunter, daß die Geldbetrachtung im 
Vordergrund stand. Die Erfassung des Realeinkommens erfolgte in seiner für 
die Lebensverhältnisse wesentlichen Gestalt erst durch die Haushaltungsbudgets 
und Familienmonographien, die, an ältere Vorbilder anknüpfend, doch erst in den 
letzten Jahrzehnten langsam den Charakter einer Naturalrechnung er 
halten. Freilich, zu einer umfassenden Darstellung aller Gesellschaftsklassen 
ist man noch nicht vorgedrungen, man hat auch nicht, um ein einfaches Beispiel 
zu geben, das Schema einer Gesellschaft entworfen, die etwa mit zwei Güter 
arten auskäme, deren Verteilung durch verschiedene Momente beeinflußt wird, 
6) P. Colquhoun, A treatise on the wealth, power, and resources of the 
British Empire. London 1814, deutsch erschienen 1815; übersetzt von Fick. 
’’) Ballod, Die Nahrungsmittelfrage für Deutschland im Kriegsfälle. 
(Verwaltung und Statistik, August 1913, S. 225 ff.) — Poppe r-Lynkeus, 
Allgemeine Nährpflicht 1912.
	        
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