Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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suchen,  welche  Bedingungen  als  Ergebnis  einer  jahrzehntelangen  Entwicklung
gegenwärtig  wirksam  werden.
Wenn  es  auch  schwierig  ist,  unmittelbar  die  Friedenswirtschaft  der  Zukunft ­
  zu  schildern,  so  können  wir  doch  durch  genauere  Betrachtung  der
Übergangswirtschaft  manchen  Hinweis  auf  die  weitere  Entwicklung  erhalten  ;
denn  daß  die  Friedenswirtschaft,  wie  sie  vor  dem  Kriege  bestand,  ohne
grundsätzliche  Änderungen  wieder  aufleben  könnte  und  die  Übergangswirtschaft ­
  ein  reines  Zwischenspiel  ist,  kann  wohl  als  ausgeschlossen  gelten.  Die
Übergangswirtschaft  ist  einigermaßen  erkennbar,  weil  sie  durch  Vorbereitungen
schon  eingeleitet  ist  und  Anhänger  verschiedener  Richtungen  sie  für  längere
oder  kürzere  Zeit  als  organisierte  Wirtschaft  in  Aussicht  nehmen.
Die  einen  wünschen  den  Wirtschaftsplan  der  Übergangszeit,  damit  er
Unordnung  bei  der  Neueinrichtung  der  Wirtschaft  vermeiden  helfe.  Sie
glauben  z.  B.  nicht,  daß  der  Automatismus  des  Marktes  ausreiche,  Rohstoffe
in  den  richtigen  Proportionen  zu  importieren,  oder  Arbeitskräfte  zweckmäßig
zu  verteilen.  Die  anderen  fürchten  über  diese  Unordnung  hinaus  die  Möglichkeit ­
  von  Krisen,  das  heißt,  von  Schädigungen  der  Wirtschaft,  vor  allem
gelegentlich  großer  Veränderungen,  welche  aus  dem  Automatismus  des  Marktes
selbst  hervorgehen  würden.  Trat  während  des  Weltkrieges  infolge  der  Absperrung ­
  Nahrungsmittelmangel  ein,  so  konnte  man  doch  nicht  von  Krisen
sprechen,  weil  diese  Einschränkungen  nicht  organisch  bedingt  waren.  Wenn
auch  schwere  Fehler  bei  der  Beschaffung  der  Verpflegung  gemacht  wurden,
so  war  man  doch  in  den  leitenden  Kreisen  grundsätzlich  darauf  aus,  die  Produktion ­
  und  den  Konsum  zu  fördern,  während  die  Verkehrswirtschaft  das
Streben  nach  Reingewinn  als  allein  berechtigt  anerkennt  und  daher  unter
Umständen  eine  unmittelbare  oder  mittelbare  Einschränkung  der  Bedarfsbefriedigung, ­
  welche  den  Reingewinn  des  Produzenten  erhöht,  grundsätzlich
zuläßt.  Die  Kriegswirtschaft  hat  unmittelbar  die  möglichst  günstige  Bedarfsbefriedigung ­
  teils  durch  Gewährung  hoher  Reingewinne,  die  wie  Prämien
wirkten,  angestrebt,  teils  durch  unmittelbaren  Produktionszwang,  sowie  durch
die  Bestrafung  der  Produktionseinschränkung  oder  der  Mißverwendung  von
Produkten.
Die  bevorstehende  Übergangswirtschaft,  welche  z.  B.  die  Verteilung  des
Frachtraums  auf  die  verschiedenen  Gruppen,  die  Verteilung  der  produktiven
Mittel  auf  die  notwendige  und  die  Luxusproduktion  durchführen  wird,  kann  im
Gegensatz  zur  freien  Verkehrswirtschaft  als  Verwaltungswirtschaft  bezeichnet
werden,  womit  weder  etwas  darüber  ausgesagt  werden  soll,  ob  der  Staat  oder
ein  System  von  Verbänden  diese  Regelung  in  die  Hand  nirnmt,  ebensowenig
aber  auch  darüber,  welche  Machtfaktoren  ausschlaggebend  sein,  werden  oder  in
welchem  Sinne  die  Verteilung  der  Produktion  vor  sich  gehen  werde,  während
im  Namen  „Staatssozialismus“  über  alle  diese  Momente  gleichzeitig  etwas
ausgesagt  erscheint.
Daß  die  Sorge  nicht  unberechtigt  ist,  es  könne  eine  Krise  sofort  nach  dem
Kriege  oder  nach  kurzem  Aufschwung  auftreten,  zeigt  die  Erfahrung.  Lowe
schildert  in  seinen  Betrachtungen  über  die  Napoleonische  Periode  eingehend
„the  evils  of  transition“  —  die  Leiden  der  Übergangszeit.  Manche  vertreten
denn  auch  die  Ansicht,  daß  nach  Friedensschluß  die  Verpflegung  breiter
Massen  sich  schlechter  gestalten  werde  als  während  des  Krieges,  während
es  doch  offenbar  ist,  daß  die  technischen  Bedingungen  für  die  Bedarfsbefriedigung ­
  mindestens  unverändert  sein  werden.  Arbeitslosigkeit,  Unterbenützung ­
  der  Produktionsmittel  usw.  kann  eine  Übergangsorganisation  unmöglich ­
  machen.  Tut  sie  das,  dann  ist  ihr  nicht  mehr  und  nicht  weniger  als  die
Lösung  des  Krisenproblems  praktisch  gelungen.
Alles  drängt  nun  in  diese  Richtung,  denn  die  Neigung  der  Mensdhen,
Drosselungen  der  Produktion  zu  ertragen,  ist  heute  ebenso  im  Schwinden
begriffen,  wie  der  Fatalismus,  mit  dem  man  früher  Krisen  hinnähm,  die  man
als  unvermeidliche  Nebenwirkungen  des  Marktgetriebes  oder  der  Wandlungen
der  Produktionsrichtung  anzusehen  vielfach  geneigt  war.  Die  Menschen  haben
sich  nun  daran  gewöhnt,  daß  alles  Eingriffen  zugänglich  sei  und  daß  man
schwerwiegende  Maßnahmen  über  Nacht  durchführen  könne.  Das  Konstruieren
            
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