Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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nur  das  Streben  nach  einem  Maximum  des  Reingewinnes  kennt.  Die  Verwaltungswirtschaft ­
  dagegen,  wie  sie  die  Übemangswirtschaft  darstellen  wird,
benötigt  die  Naturalrechnung,  um  einzelne  Schritte  tatsächlich  unternehmen
zu  können.
Die  Verwaltungswirtschaft  der  Übergangszeit  kann  sich  auf  eine  weitgehende ­
  staatliche  Kontrolle  der  Markt  Verhältnisse  beschränken  und
nur  gewisse  Import-  und  Produktionszweige  zentralisieren,
sie  kann  zu  einer  Verstaatlichung  bedeutsamer  Produktionszweige, ­
  zu  einer  Verstaatlichung  des  Kredits  und  Zwischenhandels ­
  führen,  sie  kann  aber  auch  die  Form  eines  Verbandssystems
annehmen,  wie  es  etwa  Wilhelm  Neurath  in  seinem  Pankartellismus  vorgeschlagen ­
  hatte.  Ein  System  von  Verbänden  übt  ähnliche  Wirkungen  auf  Produktion ­
  und  Verteilung  wie  ein  staatlicher  Apparat  aus.  Es  bleibt  aber  die
freie  Vereinbarung  zwischen  in  gewissem  Sinne  unabhängigen  Faktoren
gewahrt.  Die  Einkommensverteilung  kann  bei  den  verschiedenen  Möglichkeiten
im  ganzen  die  gleiche  sein.  Ein  System  von  Verbänden  verhält  sich  in  mehr
als  einer  Richtung  anders  als  Einzelkartelle.  Es  hat  kein  Interesse  daran,  den
Reingewinn  zu  erhöhen,  indem  es  Arbeitskräfte  entläßt  oder  Rohstoffe  nicht
nützt,  weil  es  unmittelbar  die  Nachteile  zu  spüren  bekommt.  Ein  Verbandssystem ­
  kann  unter  Umständen  die  Produktion  so  regeln,  daß  die  einzelnen  Verbände ­
  von  der  vollen  Ausnützung  aller  Kräfte  Vorteil  haben,  wobei  es  beliebig
große  Differenzen  zwischen  den  einzelnen  Einkommen  geben  mag.  Es  fragt
sich  nun,  wie  eine  derart  staatlich  oder  verbandsmäßig  organisierte  Übergangswirtschaft ­
  wirkt.
Die  ganze  Tendenz  führt  notwendigerweise  zu  einer  gewissen  Stabilisierung ­
  der  Wirtschaft  ;  stürmische  Veränderungen  mit  krisenhaften  Folgen
entfallen,  wenn  Verbände  in  freier  Vereinbarung  oder  unter  staatlichem  Einfluß ­
  Preise,  Produktion,  Löhne  und  so  weiter  bestimmen.  Der  wirkliche
Bedarf  wirkt  unmittelbar  auf  die  Produktion.  Jede  Änderung
der  Produktion  muß  in  dem  ganzen  System  einen  vereinbarten  Platz  finden  ;
daß  Einzelne  durch  eigenwilliges  Verhalten  vielleicht  die  ganze  Wirtschaft
erschüttern  und  eventuell  sich  auch  selbst  schwer  schädigen,  ist  nicht  gut
möglich.  Diese  Stabilisierungsneigung  tritt  uns  auch  sonst  entgegen,  wenn  wir
die  Verfügungen  über  Wohnungsmieten  oder  die  Bestimmungen  über  Minimallöhne ­
  ins  Auge  fassen.  Hieher  zählt  auch  die  wachsende  Neigung,  den  Bauern
ein  gewisses  Stück  Land  zu  garantieren,  indem  man  es  dem  Zugriff  des
Gläubigers  entzieht,  wie  dies  in  manchen  Ländern  seit  langem  geschieht.
Siedlungspolitische  Anregungen  aller  Art  durchschwirren  die  Luft.  So  verschieden ­
  ihre  Ursprünge  und  Ziele  sind,  eines  haben  sie  gemeinsam:  die
Verringerung  oder  Ausschaltung  des  freien  Verkehrs  und  die  Schaffung  gemeinwirtschaftlicher ­
  Grundlagen  für  die  Verteilung  und  Ausnützung  von  Grund
und  Boden.  Was  man  früher  für  einen  Segen  hielt,  die  Eingliederung  des
Bauern  in  den  Marktverkehr,  in  die  Geldordnung,  sehen  heute  immer  mehr
Menschen  als  nicht  unbedenklich  au,  weil  dadurch  der  Bauer  in  seiner  Stabilität ­
  erschüttert  werde.  Welche  fördernden  oder  lähmenden  Wirkungen  eine
solche  allgemeine  Stabilisierung  des  Daseins  psychologisch  und  soziologisch
auszuüben  vermag,  bleibe  ununtersucht.  Viele  werden  der  Meinung  sein,  daß  der
Wegfall  der  Konjunktur,  welche  vernichtet  und  erhebt,  den  Menschen  einen
wesentlichen  Anreiz  zur  Entfaltung  nehme.  Andere  wieder  werden  die  Meinung
vertreten,  daß  man  ein  gesichertes  wirtschaftliches  Dasein,  eine  Beseitigung
des  Elends,  dazu  verwenden  könne,  um  die  frei  werdenden  Kräfte  auf  anderen
Gebieten  zu  verwerten.  Gerade  die  Absorption  höherer  Fähigkeiten  durch  die
wirtschaftlichen  Vorgänge  drücke  die  Kultur  nieder.  Mancher  nimmt  lieber  das
Risiko  des  freien  Verkehrs  auf  sich,  ehe  er  sich  der  Gnade  und  Ungnade  eines
Verbandes  oder  einer  Stadtgemeinde  ausliefern  will,  welche  vielleicht  die
aus  Lieferungsverträgen  herrührende  Verpflegung  vor  allem  politischen  Parteigängern ­
  zuweisen  werde.  Und  er  sieht  nicht  ohne  Bedenken  die  Protektion
an  Stelle  der  Konjunktur  treten,  der  sie  sich  jetzt  schon  manchmal  vermähle.
Die  Stabilisierungstendenz  ergreift  in  wachsendem  Ausmaß  die  Arbeitsverhältnisse. ­
  Es  spielt  an  sich  eine  geringe  Rolle,  welche  Form  gewählt  wird.
            
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