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XVI.
Technik und Wirtschaftsordnung.
(1919.)
Techniker und Volkswirte zu gemeinsamer Arbeit vereinigen ist
heute eine drängende Aufgabe. Dazu müssen freilich die Geister erst vorbereitet
werden. Die technische Vorbildung breiter Kreise ist eine unzulängliche,
wenn auch immerhin die Mittelschulen manches auf diesem Gebiete, insbesondere
im Rahmen des Physikunterrichtes, leisten. Dagegen liegt die volkswirtschaftliche
Bildung ganz im argen ; unser Schulsystem kennt die Volkswirtschaftslehre
als Unterrichtsgegenstand nicht. Und dennoch fordert heute
die gesellschaftliche Neugestaltung von jedem Einzelnen ein erhebliches Maß
volkswirtschaftlicher Einsicht. So gut es geht, wird man durch Vorträge,
Lehrkurse, Museen und andere Hilfsmittel der Darstellung den heute schon
Gereiften ersetzen müssen, was ihnen durch Jahrzehnte vorenthalten wurde.
Die wirtschaftstheoretischen Erörterungen, welche im Streit der Schulen
eine wichtige Rolle spielten, werden dabei zurücktreten müssen! Es bedarf
einer gewissen unmittelbaren Anschauung von den Grundlagen des Wirtschaftens
und seiner organisatorischen Eigentümlichkeiten. Während technische
und technologische Vorträge, Ausstellungen und Veröffentlichungen zu
zeigen haben, wie die Naturkräfte nutzbar gemacht werden, wie aus einer bestimmten
Menge Holz durch Anwendung gewisser Maschinen und Methoden
etwa eine bestimmte Menge Papiergarngewebe hergestellt werden kann, hat
die Wirtschafts betrachtung zu zeigen, wie die Wälder eines Staates für
die Papiergewinnung ausgenützt werden, welche Waldmengen infolge der Errichtung
von Papierfabriken herangezogen werden, auf welche Weise Einrichtungen,
etwa Zölle, die Grundbesitzverteilung oder der Kredit hiebei eine
ausschlaggebende Rolle spielen.
Die technischen und wirtschaftlichen Erscheinungen hängen aufs innigste
miteinander zusammen, nicht bloß äußerlich, indem etwa die technischen Vorgänge
gewissermaßen Elemente der Wirtschaft sind; nein, es liegt eine tiefergehende
Gemeinsamkeit vor, welche technischem und wirtschaftlichem Denken
eignet. Das Zeitalter, welches jetzt anbricht, wird gerade durch dies Ineinandergreifen
und Zusammenwirken technischen und wirtschaftlichen Denkens
und Schaffens gekennzeichnet sein. Wenn wir von „T e c h n i k“ sprechen,
so haben wir immer eine bewußte Gestaltung im Auge, deren Ziel und
Weg klar beschrieben, womöglich berechnet werden kann. Dadurch unterscheidet
sich die Technik von der Kunst, welche mit unbewußten Teilhandlungen
und nicht näher bestimmbaren Allgemeinfolgen rechnen muß. Die
ästhetischen Wirkungen einer Kirche, eines Bildes sind nicht in derselben Weise
theoretisch ableitbar, wie etwa die Hubwirkungen einer Pumpe. Die Technik
bringt eine Auswahl aus den Kausalzusammeinhängen, mit denen sich die
Physik und Chemie beschäftigt. Unter Technik schlechthin versteht man vor
allem die bewußte Anwendung der chemischen und physikalischen Kräfte,
doch kann man auch von Biotechnik reden und meint dann die systematische
Beeinflussung der Lebenserscheinungen; in gleichem Sinne gibt es eine Gesundheitstechnik,
die man Hygiene zu nennen pflegt. Wir können aber den
Ausdruck noch weiter fassen und die bewußte Gestaltung der menschlichen
Gesellschaft diesen Techniken zu ordnen und so von einer Gesellschaftstechnik
sprechen, zu der dann auch die Wirtschaft zählt.
Wir sprechen hier von „Wirtschaft“ in einem so allgemeinen Sinne,
daß ebenso das Dasein eines Negerstammes wie jenes unserer Kultur damit
umspannt ist. Hier wie dort können wir die Frage stellen: Welche Lebens-