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teure die englischen Devisenpreise in die Höhe, was allen jenen schadete, die
aus England Maschinen oder Rohstoffe beziehen und sich nun englisches Geld
beschaffen mußten, um diese Importe zu bezahlen. Englisches Geld erhielten
sie aber durch Ankauf englischer Devisen, deren Preis durch die Silberaus
prägung in die Höhe ging. Dadurch würden andererseits aber wieder die
Exporteure gewinnen, sowie alle jene, welche im Inlande jene Waren er
zeugten, die man sonst aus England zu importieren pflegte. Jede Erhöhung
der englischen Devisenpreise wirkte ähnlich wie ein Schutzzoll.
Es fragt sich nun, wie der Staat den unerwünschten Nebenwirkungen be
gegnen kann, welche die Ausgabe neuer Geldmengen hervorruft. Wir wissen
aus den Erörterungen über das Fullartonsche Prinzip, sowie über die Zirkula
tion der Anleihen, daß es vor allem darauf ankomme, die ins Publikum hinaus
geströmten Geldmengen wieder in die Staatskassen oder Notenbankkassen zu
rückzupumpen. Das ist nun nicht immer möglich, und man begnügt sich zu
weilen damit, nur das übermäßige Anschwellen der Noten zu verhindern. Nadi
dem Jahre 1866, als Österreich-Ungarn zur Aufrechterhaltung der staatlichen
Funktionen Papiergeld ausgeben mußte, half man sich damit, daß man die
Notenmenge, welche vom Staat emittiert werden durfte, mit 312 000 000 kon
tingentierte. Wieso hatten wir nun bei Staatsnoten mit solchen Schwierig
keiten zu kämpfen? Dies rührt daher, daß die Banknoten dann emittiert
wurden, wenn der Markt Geld benötigte, und daß die Emission auf dem
Wege der Kreditgewährung erfolgte, also ein Rückströmen garantiert war,
während der Staat dann Noten emittierte, wenn er selbst Geld brauchte,
unabhängig davon, ob auf dem Markte Geldmangel herrschte oder nicht. Mit
der Tatsache, daß die Zahlungsmittel aus Papier waren, hatten die drohenden
Gefahren nichts zu tun, sondern damit, daß ein Mittel fehlt, die Geldmengen
wieder zurückzupumpen. Pflegen doch Steuern und innere Anleihen in solchen
Zeiten zu versagen.
Bei Papiergeld ist die Versuchung zu unaufhörlicher Emission gegeben!.
Silbergulden kann man nicht schrankenlos vermehren, weil man das Silber erst
beschaffen muß. Papier dagegen ist in beliebiger Menge vorhanden. Wie weit
man darin gehen kann, zeigt die französische Assignatenwirtschaft in der Zeit
der französischen Revolution. 1795 gab Frankreich Assignaten bis zum Be
trage von 75 Milliarden aus. Dieser Vorgang ist durchaus verständlich, wenn
man sich vor Augen hält, daß durch die erste Notenemission bereits die Preise
sehr erhöht sein Können. Wenn nun die Möglichkeit fehlt, durch Steuern oder
Anleihen, eventuell durch Kriegskontributionen einen erheblichen Teil der aus-
gegebenen Gelder wieder zurückzupumpen, so muß der Staat, wenn er in der
Folgezeit dem Markt eine ebenso große Güterquote entnehmen will, wie im
Jahre vorher, eine größere Notenmenge emittieren und in dieser Weise steigert
sich die Notenmenge, welche emittiert werden muß, selbst dann, wenn der
Staatsbedarf konstant bleibt.
Wir sehen, daß die Notenemission im Kriegsfall schwere Störungen hervor
zurufen vermag, und es fragt sich, ob nicht andere Methoden zweckmäßiger sein
können. An erster Stelle sei die Emission von Requisitionsbons genannt. Es
wäre sehr wichtig, wenn man sich eingehend mit dem Problem beschäftigen
wollte, wie die Ausgabe von Noten, wie die Ausgabe von Requisitionsbons wirke.
Während des Balkankrieges waren beide Methoden zu beobachten. Die
Serben suchten möglichst mit Noten zu bezahlen, während die Bulgaren bereits
im Anfang des Krieges Requisitionsbons als Zahlungsmittel an die Bevölkerung
verwendeten. Ich will von den psychologischen Wirkungen absehen. Die
Zahlung mit Noten macht auf die Bevölkerung meist einen besseren Eindruck,
als die Zahlung mit Requisitionsbons. Der Requisitionsbon unterscheidet sich
dadurch von der Note, daß er zunächst kein gesetzlich anerkanntes Zahlungs
mittel ist. Der Bauer, der Industrielle, der Kaufmann, welcher Requisitionsbons
erhält, hat damit ein Forderungsrecht an den Staat erworben, das er nach dem
Kriege geltend macht. Da der Bon kein gesetzliches Zahlungsmittel ist, hat
ein Bauer, der einen auf 20 Franken lautenden Bon hat, nicht die Sicherheit, daß
der Kaufmann ihn mit 20 Franken in Zahlung nimmt. Der Kaufmann wieder
kann ihn schwer zu 20 Franken in Zahlung nehmen, weil er nicht weiß, wie ihn