Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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bauern,  andererseits  den  Reiskonsumenten  helfen.  Wenn  der  Reispreis  sinken
wollte  und  die  Reisbauern  in  Gefahr  kamen,  kaufte  die  Regierung  so  lange  Reis  an,
bis  sie  den  Preis  genügend  gehoben  hatte,  und  lagerte  die  Frucht  in  Speichern
ein,  die  teils  für  einzelne  Provinzen,  teils  für  das  ganze  Reich  bestimmt  waren.
Stiegen  die  Preise  sehr  an,  so  wurde  Reis  aus  den  Reichs-Reispreis-Ausgleichungsspeichern
  wieder  abgegeben.
Eine  solche  Preisausgleichung  ist  natürlich  nur  dann  möglich,  wenn  gute
mit  schlechten  Ernten  in  mäßigen  Zwischenräumen  abwechseln.  Eine  ähnliche
Einrichtung  bestand  um  die  'Mitte  des  19.  Jahrhunderts  in  Paris.  Um  den  Brotpreis ­
  konstant  zu  erhalten,  wurde  eine  Zwangskasse  für  die  Bäcker  errichtet.
Wenn  der  Mehlpreis  niedrig  war,  mußten  die  Bäckjer  einen  Teil  des  Gewinnes
in  die  Kasse  abführen.  Dafür  erhielten  sie  wieder  einen  Zuschuß  aus  der  Kasse,
wenn  der  Mehlpreis  hoch  war  und  sie  dennoch  das  Brot  zum  alten  Preis  abgeben
mußten.
Die  Regierung  des  brasilianischen  Staates  S.  Paolo  hat  in  der  jüngsten  Zeit
die  Kaffeepreise  im  Interesse  der  Produzenten  beeinflußt,  indem  sie  große  Kaffeemassen ­
  emlagerte  und  dann  nach  und  nach  verkaufte.  Wir  sehen,  daß  es  in¡
all  diesen  Fällen  darauf  ankam,  Rücklagen  zu  schaffen,  im  ersten  und  dritteln
Fall  aus  Naturalien,  im  zweiten  aus  Geld  bestehend.  Was  man  so  beim  Reisoder ­
  Kaffeepreise  tun  kanp,  vermag  man  natürlich  auch  beim  Goldpreise  zu  tun.
Für  den  internationalen  Zahlungsverkehr  ist  die  Konstanz  des  Goldpreises  in
österreichischen  oder  ungarischen  Kronen  von  erheblicher  Wichtigkeit.  Wenn
nämlich  der  Preis  des  Kilogramms  Gold  konstant  ist,  dann  ist  auch  der  Preis
konstant,  den  die  österreichisch-ungarische  Bank  für  deutsche  Mark,  französische
Franken  und  andere  Goldmünzen  zahlt.  In  2790  Mark  ist  ebenso  ein  Kilogramnx
Feingold  enthalten,  wie  in  3280  Kronen  österreichischer  oder  ungarischer  Goldmünzen. ­
  Besitzt  jemand  2790  Mark  in  Gold,  die  nicht  abgenützt  sind,  so  weiß
er,  daß  er  für  dieselben  3278  Kronen  bei  der  österreichisch-ungarischen  Bank
in  Noten  oder  3274  Kronen  bei  der  Münze  in  Gold  erhält.  Die  Tatsache  der
freien  Ausprägung  von  Gold  sichert  also  der  deutschen  Mark  'in  Gold  einen,
bestimmten  Preis  in  Kronen,  solange  die  diesbezüglichen  gesetzlichen  Bestimmungen ­
  gelten.  Diese  Preiskonstanz  ist  nicht  etwas  der  Goldmaterie  Eigentümliches, ­
  sondern  ein  Produkt  der  Gesetzgebung,  ln  derselben  Weise^  wie  österreichrUngarn
  deutsche  Goldmünzen  als  Gold  ankauft,  kauft  nun  Deutschland
österreichische  und  ungarische  Goldmünzen  an.
Praktisch  stellt  sich  die  Sache  aber  ein  wenig  anders;  wenn  ein  Deutscher
in  Österreich-Ungarn  eine  Zahlung  im  Betrage  von  3278  Kronen  zu  leisten  hat,
genügt  es  nicht,  wenn  er  2790  Mark  in  Gold  besitzt.  Dieser  Betrag  würde
ihm  die  3278  Kronen  erst  dann  verschaffen,  wenn  er  sich  bei  einem  Gold  kaufenden
Schalter  der  österreichisch-ungarischen  Bank  befände.  Nun  lebt  er  aber  in  Berlin.
Er  müßte  daher  das  Gold  in  ein  Kistchen  packen,  müßte  die  Versandspesen  in
Rechnung  stellen,  ebenso  die  eventuelle  Versicherungsprämie  und,  da  der  Transport
auch  einige  Zeit  dauert,  den  inzwischen  erlittenen  Zinsenverlust.  Dabei  hätte
er  darauf  zu  achten,  daß  die  Goldmark  nicht  abgenützt  sind.  Denn  während  im
nationalen  Verkehr  auch  abgenützte  Goldmark  —  sie  verhalten  sich  dann  ähnlich
wie  Zeichengeld  —  gelten,  gelten  im  internationalen  Verkehr  nur  solche  für  voll,
die  keinen  Gewichtsverlust  aufweisen.  In  Wirklichkeit  wird  aber  der  größere  Teil
der  Zahlungen  zwischen  Österreich-Ungarn  und  Deutschland  mit  Hilfe  von  Devisen
beglichen.  Der  Deutsche  kauft  in  Berlin  eine  auf  Wien  lautende  Devise,  d.  h.
einen  in  Wien  zahlbaren  Wechsel.  Diese  Devise  kann  verschieden  im  Preise
stehen.  Kommt  sie  höher  als  der  effektive  Goldversand,  dann  würde  man  diesen
vorziehen,  d.  h.  solange  die  Deutschen  genug  Goldmark  in  der  Hand  haben,  die
sie  verschicken  können^  kann  der  Devisenkurs  nicht  über  jenen  Punkt  hinaussteigen,
  der  durch  die  Versandkosten  und  die  Einlösungskosten  des  Goldes  in
Österreich-Ungarn  gegeben  erscheint.  Man  nennt  diesen  Punkt  den  oberen  Goldpunkt ­
  für  den  Goldexport.  In  gleicher  Weise  existiert  ein  Punkt,  wo  es  dem
Österreicher  oder  Ungarn,  der  genügend  Gold  in  der  Hand  hat,  zweckmäßig  erscheint, ­
  Gold  nach  Deutschland  zu  importieren,  statt  deutsche  Devisen  zu  kaufen  ;
das  ist  dann  der  untere  Goldpunkt  für  den  Goldimport  nach  Deutschland.  Das
heißt,  dadurch,  daß  zwei  Länder  Gold  und  damit  auch  Goldmünzen  ankaufen,  ist
            
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