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II, 2. Oie Arbeitslosigkeit
daß cs wirtschaftlich unmöglich ist, eine so große Arbeiterzahl wie
bisher zu den gestiegenen Löhnen weiter zu beschäftigen. Oie sinken
den Preise für Kohle, Eisen, Walzwerkserzeugnisse usf. erlauben
das nicht mehr.
Vas ist die Situation, aus der heraus die Arbeitslosigkeit in Kri
senzeiten entsteht. Für die menschliche Arbeitskraft bildet sich dann
eine ganz ähnliche Lage, wie sie auf den Warenmärkten nicht selten
zu beobachten ist. Waren sind bekanntlich dann unverkäuflich, wenn
sich Käufer und Verkäufer nicht über den Preis einigen können, wenn
der Verkäufer sich nicht zu entschließen vermag, die Ware zu dem
preis herzugeben, den der Käufer äußerstenfalls für sie noch zu
zahlen bereit ist. Ebenso wird die Ware Arbeitskraft unverkäuf
lich oder, was dasselbe besagt, die Arbeiter werden arbeitslos, wenn
die Behauptung der Lohnsätze auf ihrer bisherigen höhe unmög
lich wird und die Löhne, welche die Unternehmer etwa gerade noch
zahlen könnten, wenn die ganze bisher beschäftigte Arbeiterzahl auch
weiterhin Beschäftigung finden sollte, weit abweichen von den Löh
nen, welche die Arbeiter als angemessen ansehen. Sn dieser Situa
tion wird es immer zu Arbeiterentlassungen und zu Arbeitslosig
keit kommen, vielleicht wäre es möglich, durch eine sofortige starke
Reduktion der Lohnsätze die Arbeiterentlassungen zu vermeiden. Aber
der versuch wird regelmäßig gar nicht gemacht. Und er wäre wohl
auch von vornherein zum Scheitern verurteilt und würde durch
die Lohnkämpfe, die sich unvermeidlich an ihn anschließen, das in
dieser Situation ohnehin schon sehr empfindliche Wirtschaftsleben
nur noch mehr in Verwirrung bringen.
Aus dem Gesagten erhellt, wie die Arbeitslosigkeit auch in Zu
sammenhang mit der höhe der Lohnsätze in der Volkswirtschaft
steht — ein bei der Erörterung der Ursachen der Arbeitslosigkeit be
zeichnenderweise zumeist ganz mit Stillschweigen übergangener Ge
sichtspunkt. werden Lohnsätze verlangt, die nicht der wirklichen Lage
des Arbeitsmarktes entsprechen, oder bewegen sich die Löhne auf einem
Stande, zu dem es unmöglich ist, das ganze vorhandene Arbeits