Full text : Die Arbeiterfrage

*2  c

Ich  denke  Ich  wollte  Ich  wäre  ein  Waldarbeiter ­
  blos  der  gesunden  Luft  wegen.
(4-1.)  [T.F.]
Ach  wie  gern  möchte  ich  Ihnen  erzählen
was  dabei  mein  Herz  bewegt.  Aber  mir
kommen  die  rechten  Worte  nicht  ein.  Ich
kann  mir  nichts  schöneres  denken  als  so  im
Wald  unter  hohen  Kiefern  oder  Tannen  zu
liegen  und  zu  träumen,  von  der  Erhabenheit
und  Unendlichkeit  des  Weltalls.  Wie  manches ­
  mal  habe  ich  schon  gewünscht,  fern
vom  Menschenlärm,  den  Blick  in  den  blauen
Himmel,  die  Gedanken  ins  Universum
schweifend,  zu  liegen  und  zu  träumen  in
alle  Ewigkeit.  (2.)  [T.  B.]
So  oft  ich  Zeit  habe.  —  Dann  versetze  ich
mir  in  einen  Zukunftsstaat  wo  diese  Herrlichkeit ­
  nicht  einem  einzigen  gehören  wird,
sondern  allen,  wo  Glük  und  Friede  herschen
  wird.  (3.  t.)  [T.  F.]
Ja.  Ich  denke  im  gegensatz  zu  dieser  Stille
an  das  unstete  Leben  eines  ruhelosen  Proletariers ­
  welchem  nicht  vergönnt  ist  diese
feierliche  Stille  zu  genießen  dem  je  stiller,
der  Ort  desto  mehr  wird  man  verfolgt  von
sorgende  Gedanken.  (3.)  [T.  B.]
Wer  ein  Grübler  ist,  der  hat  gleich  Stoff
zum  Nachdenken,  denn  die  Werkstätte  der
Natur  ist  für  uns  nur  ein  Geheimnis,  sodaß
sich  unser  ganzes  Denken  und  Forschen

Jhr.

33

M.

11  —

24

in  ein  sprachloses  Staunen  verwandeln
muß.  (2.)  [T.F.]
Ja,  so  oft  es  nur  angeht  und  wenn  es  nicht
oft  geschehen  kann  dann  kommt  die  Sehn^
sucht  mit  mächtigen  Akkorden  daß  ich  dann
manchmal  schon  die  Bäume  im  Traume
rauschen  höre.  Und  wenn  ich  im  Walde
hin  und  her  gehe  und  ruhe  einmal  an  einen
lauschigen  Plätzchen,  dann  denke  ich  an
alles  schöne  u.  Edle  und  glaube  an  die  Reinheit ­
  gewisser  Menschen  und  erkenne  und
fühle  mich  selbst  bis  in  daß  innerste,  labe
mich  an  dieser  [ungestörten  Einsamkeit  und
lasse  meinen  Gedanken  freihen  Lauf,  ich
sehe  mich  als  Kind  spielen  und  dann  zieht
immer  zuerst  meine  Jugendjahre  an  mir
vorüber  mit  all  Ihren  Sonnenschein  und
ich  erinnere  mich  an  jede  frohe  Stunde
und  mir  ist  als  wollte  der  ganze  Wald  mit
sprechen  und  sagen  ja  Menschenkind
träume  nur  zu  ich  weis  alles  und  kann  Dir
alles  bieten  wonach  Du  Dich  sehnst  und
dabei  muß  ich  lächeln  wie  ein  Kind  welches
glücklich  ist.  aber  nicht  lange,  wird  plötzlich ­
  gerufen,  und  der  letzte  Gedanke  ist
immer,  ach  wenn  ich  doch  Zeit  hätte  wenn
es  doch  wäre  wie  früher  wo  jeder  sein  bischen ­
  was  er  brauchte  selbst  hatte  nichts
von  der  großen  Industrie  und  deren  Fesseln
kannte  also  so  denke  ich  zuletzt  wie  einen
armen  .Menschen  die  Freiheit  fehlte.  (1.)
[T.F.]
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