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Nach diesen Lehrsätzen muss eine richtige Nahrung
1) genügende Mengen von Nahrungsstoffen enthalten.
2) diese Nahrungsstoffe müssen in einem richtigen Verhältniss zu einander
stehen,
3) es muss die Möglichkeit einer Resorption der Nahrungsstoffe vom Darme
aus ohne zu grosse Belästigung der entsprechenden Organe vorhanden
sein und
4) müssen mit den Nahrungsmitteln eine Anzahl s. g. Genussmittel (Thee.
Kaffee, Alcohol, Gewürze etc.) verbunden sein, welche durch Anregung
des Nervensystems und durch Erregung der Secretion der Drüsen sowohl
auf die Verdauung, als auch anf die Resorption von wesentlichem Ein
flüsse sind.
Während die drei letzten Punkte dieser Arbeit etwas fern liegen, es d esshalb
nur nöthig ist, dieselben im Vorübergehen zu berühren, bedarf Pos. 1 einer ein
gehenden Würdigung.
Nach ihr muss also eine ausreichende Nahrung eine gewisse Menge von
Nahrungsstoffen enthalten, und diese Menge ist für einen Arbeiter von Voit pro
Tag nach den oben angegebenen Untersuchungen berechnet worden auf
118g Eiweiss,
56 g Fett und
500 g Kohlenhydraten.
Es ist weiter von Voit angegeben worden, dass eine richtige Vertheilung
dieser Nahrungsstoffe auf die verschiedenen Tageszeiten nicht ohne Einfluss auf
die Leistungsfähigkeit des Arbeiters ist, und fordert dom entsprechend Voit, dass
von diesen Nahrungsstoffen
59 g Eiweiss,
34 g Fett und
160 g Kohlenhydrate
in dem Mittagsessen enthalten sein sollen, und zwar soll das Eiweiss und ein 'l'heil
des Fettes in 178 g fetthaltigem Fleische gegeben werden.
Die übrigen Nahrungsstoffe können zu fast gleichen Theilen auf das Früh
stück und das Abendessen entfallen.
Legen wir diese wissenschaftlich berechtigten Ansprüche Voit’s an eine
für einen Arbeiter genügende und ausreichende Nahrung den Berechnungen der
Nahrungsstoffe und der Nahrungsmittel unserer Menagen zu Grunde, so finden wir
folgende Zahlen.
Nach obiger Tabelle erhält ein Arbeiter auf der Alizarinfabrik 172, auf der
Anilinfabrik 164 g Fleisch in seinem Mittagessen.
Um die Nahrungsstoffe dieser Fleischquantitäten zu bestimmen, müssen wir
zuerst die Bestandlheile des Fleisches im Allgemeinen in das Auge fassen. Nach
den Durchschnittsberechnungen, welche in Kasernen, Krankenhäusern, Volks
küchen u. s. w. angestellt werden, sind in 100 Theilen Fleisch enthalten :
reines Fleisch 75 Theile,
Knochen 15 „
Fettgewebe 10 „
Wir haben nun oben gesehen, dass nach den von den Menagen mit den
Metzgern abgeschlossenen Verträgen auf 100 kg Fleisch nicht mehr als 12 kg