fullscreen: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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nur für den Handel!). Fast jeder besitzende Bürger war Kaufmann 
oder strebte jedenfalls darnach, es zu werden?). Hier war der zwar 
oft angefochtene, nie aber ernsthaft in Frage gestellte Mittelpunkt 
der niederländischen Macht, des niederländischen Einflusses im 
In- und Auslande. Diese ihre Stellung verdankte die Stadt sowohl 
äußeren wie inneren Gründen; sie verdankt sie dem Zufall, der hier 
viele Kräfte zusammenströmen ließ, ebenso wie der eigenen hart- 
näckig und zäh ihre Ziele verfolgenden Politik. Dabei konnte von 
irgendeinem vorausbedachten wirtschaftlichen System nicht die 
Rede sein. Was Amsterdam wurde, ward es kraft seiner natürlichen 
und ihm zuwachsenden Gewalt und in kluger Wahrnehmung der von 
Fall zu Fall beurteilten und dementsprechend ausgenutzten Sachlage. 
Die äußeren‘ Faktoren der Amsterdamer 
Machtstellung waren ja ziemlich leicht zu erkennen. Sie 
beruhten auf dem wirtschaftlichen Vorrang, den Amsterdam schon 
aus dem Mittelalter übernommen hatte. In Konkurrenz mit den 
anderen in Betracht kommenden Handelsstädten, mit Hoorn, 
Enckhuizen, Kampen, Harlingen, Dordrecht usw. betrieb die Stadt 
in Eigenhandel und Kommissionshandel, die bei ihr vielfach auf 
dem Zwischenhandel beruhten, ihren auswärtigen Verkehr; er war, 
soweit er als Fernhandel auftrat, überwiegend Großhandel und oft 
verbunden mit Reederei, später auch mit Versicherung und Indu- 
strie. Seit langer Zeit war er hier nichts Neues; schon im Mittelalter 
hat der holländische Kaufmann in einzelnen Waren, wie Getreide 
und Wolle, Großhandel getrieben?). In der ersten Hälfte des 16. 
Jahrhunderts steigerte sich der Amsterdamer Geschäftsverkehr er- 
heblich. Die Wage brachte 1566 mehr als das Doppelte von 1531 
ein, während das Pfahlgeld sich im Verhältnis von 3 zu 8 erhöhte, 
ohne daß die Tarife eine Steigerung erfuhren‘). Im Jahre 1560 
nannte der Florentiner Guicciardini Amsterdam die zweite 
Handelsstadt der Niederlande nach Antwerpen®). Amsterdam nahm 
l) Blok, Rel. Venez., S. 230. Bericht von 1626: Die Existenz aller Be- 
wohner Amsterdams hänge vom Geschäft ab, an dem alle ein gemeinsames Interesse 
hätten, so daß eine gewisse Gleichheit zu bestehen scheine. Noch 1762 schrieb 
BeckmannS. 445: Alles was man in Holland sehe und höre, betreffe die Handlung. 
2) Vgl. van Ravesteyn;,/S. 172: 
3) Vgl. van Dillen, Het econ. karakter, S. 118, 124, 126 f. 
‘ter Gouw, V, 411, 
5) ter Gouw;, S. 410;
	        
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