Full text: Die Theorie der Volkswirtschaft

kapitals eintreteii, weil die anderen Industriezweige immer mehr 
Kapital beanspruchen. 
In Rußland dauerte die Periode der besonders starken Ent 
wicklung des Verkehrs bis zu den 70 er Jahren des vorigen Jahr 
hunderts. Aus der Gesamtsumme von 1115,6 Millionen Rubel, 
die für Aktiengesellschaften in den Jahren von 1861—1873 auf 
gebracht wurden, kamen auf ^ 
Eisenbahnen 698,5 62 
Banken und andere Kreditanstalten 226,9 20 
Dampfschiffahrtsgesellschaften 7,3 0,6 
Bergbaugesellschaften 24,3 2,2 
Industriegesellschaften 104,6 10 
Bis zu den 70 er Jahren beanspruchte also in Rußland der 
Bergbau nur 2,2 Proz. des Aktienkapitals. Ebenso wie in Deutsch 
land herrscht das vom Verkehr beanspruchte Kapital vor. In den 
70 er Jahren werden in Rußland noch 5,3 Proz. des gesamten 
Aktienkapitals investiert. In Deutschland beginnt dagegen der 
Bergbau schon große Summen zu verschlingen, was in Rußland 
erst in den 90 er Jahren eintrat. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts 
kommen auf den Bergbau in Rußland schon 39,4 Proz. des ge 
samten Aktienkapitals, d. h. mehr als in Deutschland in den 
80 er Jahren, wo der Bergbau den größten Teil des Industrie 
kapitals verschlang. 
II. 
Die Reihenfolge, in der das Eindringen des Großkapitals in 
die einzelnen Industriezweige vor sich geht, machte gewöhnlich 
die Volkswirte irre, die glaubten, daß gewisse Erwerbszweige für 
das Kapital überhaupt unzugänglich seien. So behaupten die 
russischen Volkswirte in den 90 er Jahren des vorigen Jahrhunderts, 
daß für den Kapitalismus in Rußland kein Boden vorhanden sei 
und daß er sich daher auch nicht entwickle, da das Kapital nur 
den Austausch der Produkte erfasse und die selbständigen Pro 
duzenten ausbeute, statt die Produktion selbst zu organisieren. 
Diese „Eigentümlichkeit“ des russischen Kapitalismus war, wie 
wir gesehen haben, bis zu einer gewissen Zeit auch dem deutschen 
Kapitalismus nicht fremd.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.