268
Weshalb geht man aber in den landreichen Ländern nicht zu
einer intensiven Kultur über? Weshalb betreibt man in Argen
tinien oder in den westlichen Staaten Amerikas eine primitive
Viehzucht und führt nicht Stallfütterung, Fruchtwechsel, Boden
düngung usw. ein?
Auf den ersten Blick scheint diese Frage überflüssig zu sein,
weil es doch „klar“ ist, daß eine intensive Wirtschaft dort unvor
teilhaft wäre. Aber was heißt eigentlich unvorteilhaft? Dies be
deutet, daß die Arbeit bei einer intensiven Wirtschaft weniger pro
duktiv ist, als bei einer extensiven. Ein Landwirt, der seinen Boden
selbst bearbeitet, wird bei Bodenreichtum eine wilde Feldgras
wirtschaft betreiben, das Vieh auf den Wiesen weiden lassen, weil
er unter solchen Bedingungen mit geringem Arbeitsaufwand mehr
Produkte erhalten kann, allerdings von einer größeren Boden
fläche. Da jedoch die Vorteile von der Produktivität der Arbeit
und nicht von der Ergiebigkeit des Bodens abhängen, und da der
Landwirt einer landreichen Gegend ebenfalls von dem Gesichts
punkte des Vorteils ausgeht, so wird er eine extensive Wirtschaft
führen. Denn es wäre zwecklos, eine intensive Wirtschaft zu
führen, wenn ihm genügend Boden zur Verfügung steht, um die
gleiche Produktenmenge mit geringem Arbeitsaufwand zu er
halten.
Aus dem Gesagten folgt aber noch keineswegs, daß die Arbeits
produktivität in der Landwirtschaft mit der Zunahme der Be
völkerung nicht gleichen Schritt hält, wie es Malthus behauptet.
Die Entwicklung der Technik und der Naturwissenschaften führt
dahin, daß die Produktivität jedes Arbeits- und Kapitalaufwandes
in der Landwirtschaft steigt. Selbstredend läßt sich nicht die na
türliche Fruchtbarkeit des Bodens erhöhen. Dennoch steigt die
Arbeitsproduktivität infolge des technischen Fortschrittes. Beim
Kornfruchtbau ist die Entwicklung der Technik sowie ein ratio
neller Kapitalaufwand von Bedeutung. Die Vervollkommnung des
Pfluges ermöglicht ein tieferes Aufpflügen des Bodens; die Ver
vollkommnung der Egge, der Schneide- und Dreschmaschine er
höht die Produktivität der landwirtschaftlichen Arbeit, und die ver
besserten Düngungsmethoden sowie die Erfindung von neuen Dün-