Full text : Die Theorie der Volkswirtschaft

Morgen,  die  letztere  dagegen  eine  Erhöhung  der  Arbeitsaufwände.
Im  ersten  Falle  steigt  die  Arbeitsproduktivität,  im  zweiten  dagegen
sinkt  sie  bei  gleichbleibender  Technik.  Der  technische  Fortschritt ­
  verbilligt  die  Getreideproduktion,  der  Übergang  zur  intensiveren ­
  Kultur  verteuert  sie.  Eine  klare  und  exakte  Unterscheidung ­
  dieser  beiden  Seiten  der  landwirtschaftlichen  Entwicklung
beleuchtet  nicht  nur  die  Ursachen  der  Agrarkrisis  sowie  die  Konkurrenzbedingungen ­
  zwischen  Groß-  und  Kleinbetrieb,  sondern
auch  die  Theorie  der  Grundrente.
Schon  das  Obenerwähnte  gibt  uns  eine  teilweise  Erklärung
der  Gesetze  über  die  Entstehung  der  Grundrente.
In  der  Landwirtschaft  wie  auch  in  der  Industrie  ist  die  Arbeitsproduktivität ­
  von  den  Produktionsmitteln  abhängig.  Auf  den
ersten  Kulturstufen  stieß  der  Bauer  zuerst  auf  den  Mangel  an  Produktionsmitteln. ­
  Deshalb  erhielten  die  Grundbesitzer  im  alten
Rußland  eine  Grundrente  (selbstverständlich  keine  kapitalistische)
nicht  für  die  Benutzung  des  Bodens,  sondern  für  die  den  Bauern
vermieteten  Produktionsmittel.  Folglich  gewährt  der  Grundbesitz
erst  unter  gewissen  Bedingungen  und  bei  einer  bestimmten  Bevölkerungsdichte ­
  die  Möglichkeit,  eine  Rente  zu  erhalten.  Bei  der
Zunahme  der  Bevölkerung  geht  man  zur  Bestellung  von  geringeren
Ländereien  oder  zur  intensiveren  Bearbeitung  des  alten  Bodens
über.
Unter  welchen  Bedingungen  geschieht  das?  Wir  haben  schon
oben  bemerkt,  daß  der  reichere  Boden  gewöhnlich  zuerst  bestellt
wird.  Nehmen  wir  an,  daß  man  mit  einem  Aufwand  von  10  Mark
100  Kilo  Getreide  bei  dem  extensiven  System  erhält.  Wenn  ein
neuer  Kapitalaufwand  von  10  Mark  auf  demselben  Grundstück
einen  Produktenüberschuß  von  90  Kilo  Getreide  bringt  und  die
erste  Bestellung  des  neuen  Bodens,  die  ebenfalls  einen  Kapitalaufwand ­
  von  10  Mark  erfordert,  bloß  80  Kilo  Getreide  liefert,  so  wird
der  Landwirt  es  vorziehen,  statt  neue  Ländereien  aufzubrechen,
auf  dem  alten  Grundstück  ein  Kapital  von  20  Mark  aufzuwenden, ­
  um  190  Kilo  Getreide  zu  erhalten.  Wenn  aber  das  Gegenteil ­
  zutrifft  (wie  es  gewöhnlich  der  Fall  ist),  wenn  der  neue  Aufwand ­
  von  10  Mark  auf  demselben  Boden  nur  50  Kilo  Getreide,  der
            
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