Full text : Die Theorie der Volkswirtschaft

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Unter  der  absoluten  Rente  versteht  Marx  die  Rente,  die  sich
auch  auf  dem  schlechtesten  Boden,  wo  die  Arbeit  am  wenigsten
produktiv  ist,  bilden  kann,  und  zwar  infolge  der  verschiedenen
Zusammensetzung  des  Agrikultur-  und  des  industriellen  Kapitals.
Was  hindert  aber  den  Pächter,  neue  Kapitalien  auf  dem  schon  behauten ­
  Boden  zu  investieren?  Das  Auf  brechen  von  neuen  Ländereien ­
  kann  somit  erst  dann  stattfinden,  wenn  hier  die  Aufwände
profitabler  sind,  als  die  weiteren  Aufwände  auf  dem  alten  Boden.
Dann  wird  aber  der  neue  Boden  eine  Differentialrente  abwerfen,
die  sich  aus  dem  Unterschiede  in  der  Arbeitsproduktivität  auf  dem
neuen  Boden  und  bei  neuen  Kapitalaufwänden  auf  dem  schon  angebauten ­
  bildet.  Wenn  der  ärmere  Boden  bei  einem  Aufwand
von  10  Mark  nur  50  Kilo  Getreide  einbringt,  so  wird  er  unbebaut
bleiben,  weil  der  Grundbesitzer  ohne  Entgelt  auch  das  schlechtere
Grundstück  nicht  verpachten  wird.  Der  Pächter  kann  aber  in
diesem  Falle  den  geforderten  Pachtzins  nicht  zahlen,  ohne  seinen
Unternehmergewinn  zu  schmälern.  Ein  solcher  Boden  wird  folglich ­
  erst  dann  bestellt  werden,  wenn  die  weiteren  Aufwände  auf
dem  besseren  Boden  weniger  produktiv  sind,  als  die  ersten  auf  den
neuen  Ländereien.  Und  in  der  Tat,  wenn  auf  einem  schlechteren
Boden  auch  bloß  Gras  wächst,  so  wird  er  doch  eine  Rente  liefern,
weil  auf  den  besseren  Böden  die  Graskultur  höhere  Arbeitsaufwände ­
  erfordert.  Obgleich  der  ärmere  Boden  nur  als  Weide  verwertet ­
  werden  kann  und  nur  eine  geringe  Menge  von  Produkten
liefert,  so  läßt  sich  doch  dieser  Ertrag  mit  ganz  geringem  Arbeitsaufwand ­
  —  Viehfütterung  —  erzielen,  während  auf  den  besseren
Böden  die  späteren  Arbeits-  und  Kapitalaufwände  verhältnismäßig
weniger  produktiv  sind:  das  Pflügen,  das  Grassäen  und  -Mähen
usw.  usw.  Auf  diese  Weise  bringt  der  schlechtere  Boden  eine
Rente,  weil  die  Arbeits-  und  Kapitalaufwände  hier  produktiver
sind,  als  die  letzten  Aufwände  auf  den  besseren  Böden.  Wenn
also  Ricardo  einen  Fehler  begeht,  indem  er  die  Höhe  der  Bodenrente ­
  durch  die  verschiedene  Fruchtbarkeit  der  einzelnen  Grundstücke ­
  erklärt,  so  läßt  sich  Rodbertus  einen  noch  größeren  Fehler
zuschulden  kommen,  da  er  die  Bildung  der  Rente  aus  dem
Fehlen  des  Rohstoffes  in  der  Agrikultur  entstehen  läßt;  ebenso
            
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