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für das Verständnis nicht nur der früheren und jetzigen, sondern
auch der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung der Gesell
schaft äußerst wichtig ist. Um den Zusammenhang zwischen
den verschiedenen Wirtschaftsepochen zu verstehen, muß man
zuerst den wichtigsten treibenden Faktor des Wirtschaftslebens
herausfinden.
Das Grundmotiv der wirtschaftlichen Tätigkeit eines moder
nen kapitalistischen Unternehmers ist das Streben nach Profit.
Dagegen spielte dieses Motiv beim mittelalterlichen Handwerker
oder Bauern keine Rolle; diese streben danach, mit dem gering
sten Arbeitsaufwand den höchsten Erfolg zu erzielen. Woher
rührt aber dieses treibende Moment der kapitalistischen Tätig
keit? Gibt es etwas Gemeinsames zwischen den Wirtschafts
zielen eines Handwerkers und denen des Kapitalisten, und, wenn
diese Frage zu bejahen ist, aus welchem Grunde verwandelte
sich das „Wirtschaftsprinzip“ des Handwerkers in das des kapi
talistischen Unternehmers? Welche neuen Änderungen werden
schließlich in den Motiven der Wirtschaftstätigkeit der Menschen
mit der weiteren Entwicklung der Gesellschaft vor sich gehen?
Vor der Entstehung der Wirtschaft im engeren Sinne dieses
Wortes strebte der Mensch instinktiv danach, gleich einem Tiere
seine Lebensbedürfnisse mit möglichst geringem Kraftaufwand
zu befriedigen. Nur dank diesem Triebe konnte der Mensch so
wohl als auch das Tier seine Existenz erhalten. Ein Eichhörn
chen, das Vorräte an Nüssen sammelt; eine Biene, die sich Honig
und Wachs zubereitet; ein Biber, der sich Vorratskämmerchen
baut; eine Ameise, die den Boden für ihre Lieblingspflanzen
düngt; all diese Tiere verwenden ihre Energie instinktiv zu der
Zeit, wo sie die größten Resultate erwarten können, um nicht
dann arbeiten zu müssen, wenn sie geringe oder gar keine Resul
tate erzielen können.
Die Anwendung von Werkzeugen durch den Menschen ist ’
ein gigantischer Schritt vorwärts in derselben Richtung: mit dem
geringsten Arbeitsaufwand die größten Resultate zu erzielen. Der
Mensch, der eine Keule oder einen Stein für die Jagd oder für
den Selbstschutz usw. benutzt, erhebt sich über das Tierreich,
Masslow, Die Theorie d. Volkswirtsch. 2