Full text : Die Theorie der Volkswirtschaft

20

der  als  Resultat  der  Wirtschaftstätigkeit  erscheint.  Daß  die  Menschen ­
  selbst  ihre  Geschichte  machen,  wurde  als  selbstverständlich ­
  angenommen.  Es  ist  indes  sehr  wichtig,  gerade  diesen  Zusammenhang ­
  zwischen  dem  objektiven  Prozeß  des  Wirtschaftslebens ­
  einer  Gesellschaft,  der  die  Form  von  „immanenten  Gesetzen“ ­
  angenommen  hat,  und  der  Willenstätigkeit  des  Menschen,
seinen  Bestrebungen  und  seiner  „Freiheit“  aufzuhellen.  Nur  dann
werden  die  Grundfaktoren  der  wirtschaftlichen  Entwicklung
nicht  mehr  als  leere  Formel  erscheinen,  sondern  einen  realen
Inhalt  erhalten,  weil  doch  ein  „Subjekt“,  ein  lebendiger  Mensch,
wirtschaftet,  der  Bedürfnisse,  Bestrebungen  und  Leidenschaften
hat.
Adam  Smith  nahm  bei  seiner  Analyse  des  Wirtschaftslebens
der  Gesellschaft  als  Grundsatz  an,  daß  der  Egoismus  den  Menschen ­
  in  seiner  wirtschaftlichen  Tätigkeit  leitet.  Dieser  Grundsatz ­
  ist  indes  ungenau  und  folglich  auch  unrichtig.
Es  ist  anzunehmen,  daß  jedes  wirtschaftende  Subjekt  arbeitet,
weil  es  sich  irgend  welche  Ziele  gesteckt  hat.  Aber  diese  seine
Tätigkeit  wird  durch  äußere  Verhältnisse  bestimmt.  Wenn  der
Mensch  danach  strebt,  gewisse  Produkte  zur  Befriedigung  seiner
Bedürfnisse  zu  erlangen,  so  wird  die  Art  und  Weise,  sowie  die
Richtung,  in  der  er  dem  entsprechen  kann,  durch  gewisse  äußere
Verhältnisse  bestimmt.  Zweifellos  strebt  der  Mensch,  seine  Kräfte
bei  der  Herstellung  der  Produkte  so  anzuwenden,  daß  er  mit  dem
geringsten  Arbeitsaufwand  den  größten  Erfolg  erzielen  kann.  Bei
jedem  wirtschaftenden  Subjekt  bewegt  sich  der  freie  Wille  nach
der  Richtung  des  geringsten  Widerstandes,  um  die  notwendigen
Produkte  mit  dem  geringsten  Aufwand  von  Arbeit  zu  erhalten.
Die  wirtschaftliche  Tätigkeit  jedes  Menschen  geht  unter  bestimmten ­
  Verhältnissen  vor  sich,  von  denen  die  Richtung  dieser
Tätigkeit  in  dem  Sinne  abhängt,  daß  der  größte  Erfolg  mit  dem
geringsten  Arbeitsaufwand  nur  in  einer  bestimmten  Richtung  zu
erzielen  ist.  So  braucht  beispielsweise  ein  reicher  Mann  auch
nicht  Kapitalist  zu  werden.  Aber  als  wirtschaftendes  Subjekt
wird  er  das  größte  Resultat  erzielen,  wenn  er  sein  Kapital
in  Umlauf  setzt.  Der  Arbeiter  wird  seine  Arbeitskraft  veräußern.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.