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dic eigene Wirthschaft nicht die genügende Menge Rohmaterial
liefert, so findet ein Verkehr von vielen fremden Fuhrwerken statt.
Andererseits müssen wohl auch die Rückstände, Schlempe, Preß
linge, Bierträber wieder abgefahren werden. — Die Möglichkeit
einer Ansteckung wird bei größerem Verkehr vermehrt.
b) die Art der Fütterung, ob Stallsütterung, Weidegang, ob
beides, welche Stoffe gefüttert werden, namentlich Schlempe;
o) auf welche Art und Weise die Wirthschaft den Viehstand
erşetzt, ob durch eigene Zucht oder durch Kauf, namentlich ans
Gegenden, wo, wie in Holland, die Lungenseuche oft unter dem
Rindvieh herrscht. Ferner ist zur Beurtheilung des Risikos wichtig,
ob Mastvieh gehalten wird, welches in Zeit von wenigen Monaten
die Wirthschaft verläßt und wieder durch anderes ersetzt wird.
6) Die Bauart der Ställe, verbunden mit der Pflege der Thiere.
Ihre Gesundheit und Resistenzfähigkeit leidet bedeutend, wenn Thiere
dauernd in niedrigen, dumpfigen, schlecht ventilirten Ställen gehalten
werden. Die Temperatur im Stalle muß im Sommer verhältniß-
mäßig niedrig, im Winter hoch sein. Thüren und Fenster müssen
gut schließen und nicht in der herrschenden Windrichtung angebracht
sein. — Von Bedeutung sind auch die Stalleinrichtungen: ob der
Stall nicht vcrhältnißmäßig zu der Stückzahl Thiere zu klein ist, ob
der Dünger namentlich in Rindviehställen lange Zeit liegen bleibt,
ob die Krippen beweglich sind, ob die Thiere angebunden sind oder
sich frei bewegen können. — Ferner kommt in Betracht die Wartung
und Pflege der Thiere, welche einerseits abhängen von der Intelligenz
und Energie des Wirhschafters, andererseits vom Charakter und dem
allgemeinen Bildungsgrad der im Stalle dienenden Personen.
7) Von hoher Bedeutung für das Risiko der Privatviehversiche-
rungcn sind die staatlichen Einrichtungen: Ausbildung des Veterinär
wesens, des Veterinärpolizeiwesens, der Seuchengesetzgebnng.
Außer diesen Verhältnissen, welche das Risiko in einem Vieh
stande beeinflussen, mögen noch viele andere vorhanden sein. Sie
sind von der verschiedensten Art und in ihrer Combination einander
theilweise aufhebend, theilweise verstärkend.
Im Allgemeinen läßt sich die Regel aufstellen, daß je wirksamer
und umfassender die direkten Mittel zum Schutze eines Viehstandes
sind, um so geringer brauchen die indirekten zu sein, d. h. desto
weniger wahrscheinlich sind die durch das Institut der Versicherung
zu ersetzenden Unglücksfälle, und um so niedriger kann die Ver
sicherungsprämie sein.
In der Natur der lebenden Wesen liegt es, daß jährlich ein
gewisser Procentsatz zu Grunde geht, welcher bei den landwirthschaft-
lichen Hausthieren, wie ersichtlich, mannigfachen Schwankungen
unterworfen ist. Die bedeutenderen, hierüber gemachten und aufge
zeichneten Erfahrungen sind folgendes:
' ') R. Stock: Neue Grundsätze für den Betrieb der Vichversicherung. 1865.
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