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III.
geringer wurde. Es ist aber nicht unbedingt notwendig, daß der
Grund und Boden Privatbesitz wird, damit sich eine Grundrente
bilden kann. Die indische Dorfgemeinde verwandelt sich, wenn
das Verhältnis zwischen der Anzahl ihrer Mitglieder und der Boden
fläche einen gewissen Grad erreicht hat, in eine geschlossene Kor
poration, in die Außenstehende nur noch gegen Zahlung einer
Rente aufgenommen werden.*)
Niemand leugnet heute den direkten Zusammenhang zwischen
dem Wirtschaftssystem und der Bevölkerungsdichte. Es genügt,
einen Blick auf die Weltkarte zu werfen und die verschiedenen
Wirtschaftssysteme mit der Bevölkerungsdichte zu vergleichen, um
diesen Zusammenhang sofort einzusehen. Indes werden aus dieser
Tatsache nicht die logischen Schlußfolgerungen gezogen. Den
noch ist es augenfällig, daß in den dünn bevölkerten Gegenden
nur deshalb keine intensive Wirtschaft geführt wird, weil die
Arbeit dadurch weniger produktiv wird.
Zur Zeit der isolierten und Gemeindewirtschaft, als sämtliche
Produktionsmittel in der eigenen Wirtschaft her gestellt wurden,
war die landwirtschaftliche Technik so primitiv, daß sogar die
äußerst extensive Kultur wenig produktiv war und die Bevölke
rung sich nur mit Not ernähren konnte. Heute können die dünn
bevölkerten Gegenden dank der extensiven Wirtschaft nicht nur
sich selbst, sondern auch einen gewaltigen Teil der Stadtbevölke
rung anderer Länder mit Getreide versorgen, dagegen hungerten
die Bauern häufig in der isolierten Wirtschaft. Diese Tatsache,
daß die Bauern früherer Zeiten selbst häufig Mangel an Nahrungs
mitteln litten, macht die Volkswirte irre, die die heutige intensive
Kultur mit den modernen Produktionsmitteln mit der exten
siven Kultur der isolierten, Gemeinde- und Gebietswirtschaft des
Altertums oder des Mittelalters vergleichen und die geringe Pro
duktivität der Arbeit in den früheren Zeiten als Folge der exten-
*) H. J. Summer Maine, Village Communities in the East and West,
London 1876, zitiert nach der russischen Ausgabe, S. 106.