Full text: Die Theorie der Volkswirtschaft

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Wenn eine Familie mit Naturalwirtschaft einen Schlitten braucht, 
so verfertigt sie ihn selbst; bei der Geld Wirtschaft kann sie einen 
Schlitten im Austausch gegen Getreide erhalten. Die Verteilung 
der Produktivkräfte ist daher während der Naturalwirtschaft eine 
andere als während der Geldwirtschaft, aber in beiden Fällen 
werden die wirtschaftlichen Bedürfnisse durch einen gleichen Teil 
des Budgets gedeckt. So können wir wohl annehmen, daß in 
einer Viehzuchtwirtschaft durchschnittlich ein Viertel der Produk 
tivkräfte für die Deckung der wirtschaftlichen Bedürfnisse not 
wendig ist, drei Viertel dagegen, um die persönlichen Bedürfnisse 
befriedigen zu können. In einer Ackerbauwirtschaft erfordern 
die Gegenstände des persönlichen Bedarfs nur ebensoviel Pro 
duktivkräfte wie die des wirtschaftlichen Konsums. 
III. 
Wir haben soeben die Durchschnittstypen der Viehzuchtwirt 
schaft und der Ackerbauwirtschaft verglichen. Die einzelnen 
Wirtschaften weichen aber von dem Durchschnittstypus je nach 
der Zahl ihres Viehes oder dem Umfang ihres Bodens bedeutend 
ab. In den Wirtschaften, die mehr Vieh oder ein grösseres Acker 
feld haben, nehmen die wirtschaftlichen Bedürfnisse einen 
größeren Teil der Arbeitskräfte in Anspruch. Umgekehrt ver 
ringert sich dieser Teil, wenn die Viehzahl oder der Ackerboden 
geringer ist. Dennoch kann die Verteilung der Produktivkräfte 
in einer Naturalwirtschaft zwischen der Produktion für persön 
lichen und der für den wirtschaftlichen Konsum nur wenig von 
dem allgemeinen Typus abweichen. Dies erklärt sich folgender 
maßen: 
Da die wirtschaftenden Subjekte ihre Bedürfnisse nur durch 
Gegenstände ihrer eigenen Wirtschaft decken, so dürfen sie weder 
zuviel Arbeit auf die Herstellung von Produktions- noch auf die 
von Nahrungsmitteln aufwenden. Infolge der Beschränktheit der 
Arbeitskräfte wird jeder unwirtschaftliche Aufwand für die Her 
stellung von Produktionsmitteln einen Mangel an Nahrungs 
mitteln zur Folge haben. Ebenso wird umgekehrt eine zu starke 
Inanspruchnahme der Produktivkräfte zwecks unmittelbarer Be- 
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