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Teil II. Korn-Giroverkehr.
besitzer in Arsinoe sparte die Beförderungskosten aller dieser kleinen
Mengen von den verschiedenen Dörfern bis nach Arsinoe, auch
sparte er alle Mühe und Sorge, die mit einer solchen Beförderung
verbunden gewesen wäre. Die in Euhemereia, Bakchias usw. einge
zahlten Weizenmengen gingen in die staatlichen Bestände über
(siehe Abschn. 16); der Staat hatte aus seinen Beständen in Arsinoe
jenem Grundbesitzer die gleichen Mengen zur Gutschrift oder zur
Auszahlung zu bringen. Solche Weizen-Einzahlungen gingen nicht
bloß in der Richtung von Euhemereia nach Arsinoe, sondern auch in
umgekehrter Richtung von Arsinoe nach Euhemereia vor sich. Schon
durch diese Wechselseitigkeit glichen sich Schuld und Forderung
beider Speicher etwas aus. Was alsdann noch an Schuld und
Forderung übrig blieb, wurde bei der Gau-Rechenkammer buch
mäßig verrechnet, ähnlich wie beim Giroverkehre der Steuererheber
(Abschn. 22).
Daß die Giroguthaber für den Fernverkehr besondere Gebüh
ren zu zahlen hatten, läßt sich aus den Urkunden nicht erschließen,
ist aber mit Sicherheit zu vermuten.
Den Beweis für das Vorhandensein eines solchen Fernver
kehres privater Girokunden glaube ich vor allem in P. Amh.
II 122 (211/2 n. Chr.) zu erkennen. Der Text lautet:
TTpo(Tp(ep€Tpr|Kev) ^ im 6r|(T(aupòv) T oxvoußeuus Tevr|(|Li0TUjv)
K (Itouç) Zeounpou ’Aviiuvivou Kaícrapoç toO Kupiou, KoX(\fj-
paioç) lÿ. TXpGpeuüÇ Appiuvíuuv ÔTr(èp) 'HX[ioò]új[pou] xai
MarOroç Y[. . . . .. .]. TTT(èp) Taxoi irp.. ZevKÚpxeuíÇ f)Tr(èp)
Tktóitoç Tf)ç K(a'i) Eúòai[|i(ovíòoç)] ibç .[..] a, (YÍveiai)
(dpTÜßn) a ò[ ]ç. 0n[(T(aupoO) òjpópou KoX(XiípaTOç)
22. TXiíGpeujç uTT(èp) ‘HXioòiúpou xai MaTOT(oç) (TÍvexai)
(dpTdßns) iß'. (2. H.) TXnGpeiuç uiT(èp) 'HXi[oò]lúp[ou] xai
MaTÚTOç (dpraßri) « (npuTu) (réTaptov), Taxoi ínrèp Ticróeiioç
T[fi]ç xai Eúòaipovíò(oç) (dpraßri) a.
Der Text bietet leider mancherlei Lücken und Unklarheiten.
Soviel aber ist sicher, daß mehrere Einzahlungen von Getreide
beim Staatsspeicher des Dorfes Tochnubis vor sich gehen, von denen
die eine auf Seite 63, eine andere auf Seite 67 des Kassentage-
Grenfell und Hunt : „TrpoffK( ), or perhaps irpoapt ), is probably a
verb“. Meine Auflösung TrpoouepéTpriKev hat ’Appiuvíujv als Subjekt zur Vor
aussetzung, doch wäre schließlich auch eine andere Auflösung möglich ; der
Grundgedanke wird dadurch nicht geändert.