Full text : Girowesen im griechischen Ägypten, enthaltend Korngiro, Geldgiro, Girobanknotariat mit Einschluss des Archivwesens

102

Teil  II.  Korn-Giroverkehr.

besitzer  in  Arsinoe  sparte  die  Beförderungskosten  aller  dieser  kleinen
Mengen  von  den  verschiedenen  Dörfern  bis  nach  Arsinoe,  auch
sparte  er  alle  Mühe  und  Sorge,  die  mit  einer  solchen  Beförderung
verbunden  gewesen  wäre.  Die  in  Euhemereia,  Bakchias  usw.  eingezahlten ­
  Weizenmengen  gingen  in  die  staatlichen  Bestände  über
(siehe  Abschn.  16);  der  Staat  hatte  aus  seinen  Beständen  in  Arsinoe
jenem  Grundbesitzer  die  gleichen  Mengen  zur  Gutschrift  oder  zur
Auszahlung  zu  bringen.  Solche  Weizen-Einzahlungen  gingen  nicht
bloß  in  der  Richtung  von  Euhemereia  nach  Arsinoe,  sondern  auch  in
umgekehrter  Richtung  von  Arsinoe  nach  Euhemereia  vor  sich.  Schon
durch  diese  Wechselseitigkeit  glichen  sich  Schuld  und  Forderung
beider  Speicher  etwas  aus.  Was  alsdann  noch  an  Schuld  und
Forderung  übrig  blieb,  wurde  bei  der  Gau-Rechenkammer  buchmäßig ­
  verrechnet,  ähnlich  wie  beim  Giroverkehre  der  Steuererheber
(Abschn.  22).
Daß  die  Giroguthaber  für  den  Fernverkehr  besondere  Gebühren ­
  zu  zahlen  hatten,  läßt  sich  aus  den  Urkunden  nicht  erschließen,
ist  aber  mit  Sicherheit  zu  vermuten.
Den  Beweis  für  das  Vorhandensein  eines  solchen  Fernverkehres ­
  privater  Girokunden  glaube  ich  vor  allem  in  P.  Amh.
II  122  (211/2  n.  Chr.)  zu  erkennen.  Der  Text  lautet:
TTpo(Tp(ep€Tpr|Kev)  ^  im  6r|(T(aupòv)  T  oxvoußeuus  Tevr|(|Li0TUjv)
K  (Itouç)  Zeounpou  ’Aviiuvivou  Kaícrapoç  toO  Kupiou,  KoX(\fjpaioç)
  lÿ.  TXpGpeuüÇ  Appiuvíuuv  ÔTr(èp)  'HX[ioò]új[pou]  xai
MarOroç  Y[.  .  .  .  ..  .].  TTT(èp)  Taxoi  irp..  ZevKÚpxeuíÇ  f)Tr(èp)
Tktóitoç  Tf)ç  K(a'i)  Eúòai[|i(ovíòoç)]  ibç  .[..]  a,  (YÍveiai)
(dpTÜßn)  a  ò[  ]ç.  0n[(T(aupoO)  òjpópou  KoX(XiípaTOç)
22.  TXiíGpeujç  uTT(èp)  ‘HXioòiúpou  xai  MaTOT(oç)  (TÍvexai)
(dpTdßns)  iß'.  (2.  H.)  TXnGpeiuç  uiT(èp)  'HXi[oò]lúp[ou]  xai
MaTÚTOç  (dpraßri)  «  (npuTu)  (réTaptov),  Taxoi  ínrèp  Ticróeiioç
T[fi]ç  xai  Eúòaipovíò(oç)  (dpraßri)  a.
Der  Text  bietet  leider  mancherlei  Lücken  und  Unklarheiten.
Soviel  aber  ist  sicher,  daß  mehrere  Einzahlungen  von  Getreide
beim  Staatsspeicher  des  Dorfes  Tochnubis  vor  sich  gehen,  von  denen
die  eine  auf  Seite  63,  eine  andere  auf  Seite  67  des  Kassentage-Grenfell
  und  Hunt  :  „TrpoffK(  ),  or  perhaps  irpoapt  ),  is  probably  a
verb“.  Meine  Auflösung  TrpoouepéTpriKev  hat  ’Appiuvíujv  als  Subjekt  zur  Voraussetzung, ­
  doch  wäre  schließlich  auch  eine  andere  Auflösung  möglich  ;  der
Grundgedanke  wird  dadurch  nicht  geändert.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.