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Teil 1. Staatsspeicher, Staatskassen und Banken.
in Getreide, er hatte außerdem — was die heutigen Staaten nicht
nötig haben — für die annona za sorgen. Daher brauchte der
ägyptische Staat nicht nur Geld, sondern auch Getreide, und zwar
viel Getreide. Da ist es eigentlich selbstverständlich, daß er die
jenigen Steuern, welche landwirtschaftliche Ertragsteuern (Ernte
steuern) sind, sich nicht in Geld, sondern in Bodenerzeugnissen
zahlen läßt. Auf diese Weise empfängt er Korn, das er ohnehin
braucht, und das er kaufen muß, soweit er es nicht hat. Dazu
kommt, daß der ägyptische Staat auf solche Weise die landwirt
schaftliche Bevölkerung, die seine kräftigste, fast möchte man sagen
einzige Stütze ist, nicht wucherischen Maklern in die Arme treibt,
die ein blühendes Geschäft machen würden, wenn der Landmann
Getreide um jeden Preis verkaufen müßte, um Geld für die Steuer
zahlung zu gewinnen. Für die Steuerzahlung an den Staat gelten
somit dieselben Gesichtspunkte, wie für die Pachtzahlung an den
privaten Pächter: der Steuerzahler verkauft nicht Getreide, um
vom Erlöse die Steuer zu zahlen, und der Staat braucht das Ge
treide, das er als Steuer empfängt, nicht erst zu kaufen. Durch
Ausschaltung von Verkauf und Kauf wird zwiefach der Wert
gerettet, der dem Steuerzahler und dem Staate verloren gehen
wurde, wenn ein Zwischenhändler eingeschaltet wäre.
Nachdem die Korn-Pachtzahlung und die Kom-Steuerzahlung
ihre wirtschaftliche Bedeutung erwiesen hatten, lag es nahe, noch
einen Schritt weiter zu gehen und auch Zahlungen anderer Art,
wie sie ein Landmann für die verschiedensten Bedürfnisse zu leisten
hat, in Kom zu leisten, z. B. auch Löhne (Beispiele bei Wessely,
Sitzungsb. Wien 1904 S. 11 ff.). Da die Beförderung des Kornes in
das Haus des Zahlungsempfängers mit Umständen und Kosten ver
knüpft ist, zumal bei häufigen Zahlungen dieser Art, so kam man not
gedrungen auf den Gedanken, das Kornzahlungswesen ebenso auszu
bilden, wie das Geldzahlungswesen, d. h. den Korngiroverkehr
neben dem Geldgiroverkehre zu unterhalten. Für den Korngiro
verkehr bot der ohnehin zur Verwahrung des Staatskomes in
allen größeren Dörfern vorhandene Staatsspeicher (Oricraupóç) die
günstigste Stätte.
Wie die Papyrusurkunden erkennen lassen, besaß jeder Land
mann von einiger Bedeutung ein Korn-Girokonto beim Staats
speicher, nicht aber so häufig ein Geld-Girokonto bei der Bank.
Diese Erscheinung ist das Ergebnis der außergewöhnlich stark
ausgeprägten Bedeutung des Getreidebaues in Ägypten.