Full text: Girowesen im griechischen Ägypten, enthaltend Korngiro, Geldgiro, Girobanknotariat mit Einschluss des Archivwesens

Abschn. 61, Die römische ßiß\vo0i‘iKrj éfKTiíoeiuv. 
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D. Chr.i, scheint in Oxyrhynchos die Trennung eingetreten zu sein 
In Antinoupolis sind für das Ende des 2. Jahrh. n. Chr. die òri- 
lioffia ßißXioGiiKri {ßißXio0nKr| òrmoaíujv Xótujv) und die ßißXioGiiKri 
€TKTri<Teujv als zwei getrennte Staatsämter bezeugt, doch stehen 
sie unter gemeinsamer Verwaltung von zwei Direktoren (ßißXio- 
q)úXaK€ç) ^ 
Zu den Staatsurkunden, die in der brmoaia ßißXioGiiKri 
verwahrt werden, gehören alle innerdienstlichen Nachweise und 
Berichte, z. B. die Tpaqpn kut’ dvbpa die jährliche TPaqpfi 
òri)iO(Tíujv ^ (der Trpecrßuxepoi, àpxéqpoòoi usw.), die jährliche Liste 
der TrpÚKTopeç ctitikúúv® und upáKTopeç àpTupiKÚjv der Dörfer, die 
TußdXXai èXeoGepihcreiuvdie Monatsrechnungen* und Jahresrech 
nungen der cTiToXÓToi, die Halbwochenberichte der staatlichen Weide 
wärter*, die kut’ oÍKÍav àirofpaqpaí^*, die ùuopvnpuTiainoi (Tagebücher) 
‘ Wie ich P. Straßb. I S. 125 f. auf Grund der Belege ausführte, sind 
bis 129 n. Chr. alle àitoTpaçaí über Besitz in Oxyrhynchos nicht an die 
ßißXio(p0\aK€? ¿TKTr|ö€iuv gerichtet, sondern an die ßißXioqpüXoKe? schlechthin, 
was auf ein für Staats- und Privaturkunden gemeinsames Urkundenamt hin 
deutet ; erst seit 131 n. Chr. ist eine ßißXioÖj'iKti ¿fKTriaeujv in den diroypaqpai 
bezeugt. Lewald, Grundbuchrecht S. 13 Anm. 4, macht demgegenüber darauf 
aufmerksam, daß im Erlasse des Vizekönigs M. Mettius Rufus vom 31. Oktober 89 
n. Chr. (P, Oxy. 11 237 Kol. VIII, 28 ff.) schon eine ßißXioGnKri ¿yicn'ioeujv für 
Oxyrhynchos bezeugt sei. Es ist aber zu berücksichtigen, daß dieser Erlaß in 
einem Rechtsstreite, der um 186 n. Chr. spielt, als Beweisstück beige 
bracht wird, und daß man, wenn die ßißXio8f|Kn ¿fKTi^ueujv um 131 n, Chr. 
eingerichtet worden ist, um 186 n. Chr. — in Anpassung an die nunmehrigen 
Verhältnisse — die ßißXioSriKri ^TKxñoeiuv in den Wortlaut des alten Erlasses 
nachträglich hineingesetzt haben wird. Daß man sich bei Wiedergabe sogar 
kaiserlicher Edikte nicht immer genau an den ursprünglichen Wortlaut hielt, 
zeigt eine Vergleichung von BGU. 267 mit P. Straßb. 22 (vgl. P. Straßb. I 
S. 81 f.). Aus diesem Grunde wird der uns vorliegende Wortlaut des Erlasses 
von Rufus weniger beweiskräftig sein, als es die in Urschrift uns erhal 
tenen diToypacpai sind. 
* P. Straßb. I S. 125. 
3 P. Straßb. 1 S. 126. 
" BGU. 618. 
® P. Lond. II S, 158, Verso zu Nr. 199: ¿k ßißX(ioef|Kii<;) bTipo(iiui(v) 
Xóyujv ¿K Ypa((pf|ç) br|poo{w(v) 0 (ëxouç). 
® P. Lond. III S. 51 Nr. 855 a. 
" BGU. 388 Kol. 2, 33. 
® P. Oxy. m 515. 
» BGU. 478. 
P. Lond. II S. 63 Nr. 324.
	        
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