Full text: Girowesen im griechischen Ägypten, enthaltend Korngiro, Geldgiro, Girobanknotariat mit Einschluss des Archivwesens

Preisigke, Girowesen im griech. Ägypten. 
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Abschn. 95. Die blinde Sperre. 
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Die blinde Sperre verhindert also, daß ein im Besitzamte nicht 
verbuchter Besitzer über seinen Besitz notariell verfügt. Daß 
ein solcher Besitzer über seinen Besitz durch Handschein ver 
fügt, kann die Sperre nicht verhindern, doch besitzt der Hand 
schein keine öffentliche Rechtskraft Außerdem gilt der Satz: 
ältere Anrechte gehen voran; das in rechtlicher Form durch 
die Sperre begründete Anrecht des Staates geht demjenigen An 
rechte voran, welches ein Dritter hinterher, zumal auf nicht-nota- 
rieUem Wege, erwirbt 
Die behandelte Verfügung des Strategen an das Besitzamt 
(P. Fior. I 2) zeigt außerdem noch, daß die liturgische Sperre 
gleichzeitig mit der Bestellung des liturgischen Beamten erfolgt, 
d. h. vor Antritt des Amtes. 
Um den Grundsatz „ältere Anrechte gehen voran“ dreht es 
sich in BGU. 619 (155 n. Chr.). Hier ist der KinpoTpapiuiaTeug in 
der Lage, zu bezeugen, daß ein liturgiepflichtiger Dorfbewohner 
sein Besitztum vor der liturgischen Kaioxn verkauft habe (Z. 4f.): 
7TeTTpä(J0[ai aiixà (d. i. èòácpn)] upó Tfjç Kaxoxnç xfjç ¿Txixpppueujg. 
Die èíTixnpriaiç ist das liturgische Amt eines ámxr|ppxf|ç. Unter der 
Kaxoxn èînxTipncreiJüç ist daher die liturgische Sperre zu verstehen, 
welche über den Besitz eines èirixriprixiíç ^ verhängt wird. Daß 
die Kaxoxn vor Antritt des Amtes erfolgt, wie schon oben aus 
P. Fior. I 2 gefolgert wurde, besagen die Worte (Z. 7): xßg eîç 
xpv äuixnpn^nv Kaxoxhç, sowie (Z. 21): xà ònX(uj6évxa) uuáp- 
Xovxa KaxeaxhíJÔai eîç èixixnpncriv o[ù]aiaK(fjç) pKTGihaeujç. Das 
eîç zielt auf das Amt in seiner zeitlichen Gesamtausdeh 
nung hin. 
Über die blinde Sperre handelt auch der Erlaß des Vize 
königs Ti. Julius Alexander vom Jahre 68 n. Chr. (CIGr. III Add. 
S. 1236 = Dittenberger, Orientis gr. inscr. II 669); der Text von 
Z. 21 ff. lautet: 
KeXeúuji ouv, offxiç Sv èvGáòe èmxpouoç xoû Kupíou î)i oî- 
Kovôpoç uTTOTTxóv xivtt ëxpi Toiv èv xoîç ònpocTíoiç TxpáTUacTiv 
òvxujv, KttxéxeuGai aùxoû xò ovopa fji TrpoTpàcpeiv, 
ïv[a pn^K^Ç TÛii XOIOÚXUJI auvßaXXni, pi péppi Tinv ùuap- 
XÓVXUÜV aùxoû Kttxéxeiv èv xoîç òppoaíoiç Tpappaio- 
‘ In vorliegendem Falle (Z. 22) ein èuiTTipriTnç oùôiaKfiç pioBiuaeujç. 
Über die oùoiaKÙ píoBuJõvç vgl. Paul M. Meyer, Festschrift für Hirschfeld 
S. 155 f.
	        
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