Full text: Wohlfahrtzentrale der Stadt Barmen

150 
!' 
keit der Gelenke da, wo fie geliften hat, wiederherzuflellen. 
Karin ein Körperglied nicht erhalten werden, fo tritt der 
Orlhopäde in feine Rechte, der, unter forgfäliiger AnpaHung 
an den Einzelfall, durch kiinftliche Glieder der verfchiedenften 
Art, die verloren gegangene Funktion zu erleben fucht. Wenn 
wir die fchwere, — sit venia verbo — unhandlidie eiferne 
Hand des Goß von Berlichingen mit einem modernen künft- 
lichen Arm, etwa dem vortrefflichen Jagenbergfchen, ver 
gleichen, To tritt der grundlegende Gegenfäß unterer heutigen 
Beftrebungen zu den Zielen früherer Zeitepochen klar zutage. 
Früher das Bemühen, den Arm bis auf die zahlreichen Finger 
gelenke dem menfchlichen Arm rein äußerlich ähnlich zu 
machen — aufKoften TeinerBrauchbarkeit; heute für kosmetifche 
Zwecke, etwa zum Sonntag-Nachmittagausgehen, einen An 
laß nach Art des oben befchriebenen, aber aus leichtem 
Material, im übrigen iedoch das Streben, ein praktifch brauch 
bares Glied zu Ichaffen, einen Arbeitsarm für den Arbeiter. 
Ein Ring, ein Haken, eine Klammer als vordem Abfchluß, 
Kriegverlebter mit künftlichem Arm 
bei Feilenarbeit. 
mit dem man eine Zange, eine Feile 
oder ein fonfliges Arbeitsgerät fefthalten 
kann, fonft nichts. Aber was mit einem 
folchen Arm geleiftet wird, das fehen 
wir in einer kleinen Sonderausftellung 
in Barmen : dort finden wir den Metall 
arbeiter, den Weber, den Mafchinen- 
fchreiber, ja den Schneider feinen Be 
ruf ausiiben, und zahllofe, von Krüppeln 
hergeftellte kunftgewerbliche Gegen- 
ftände legen Zeugnis ab, nicht nur von 
der Anpaffungsfähigkeit der menfch 
lichen Natur, fondern auch von der 
unbedingten Richtigkeit des oben 
fkizzierten Grundfabes der modernen 
Orthopädie. Und Ähnliches gilt auch 
von dem künfllichen Bein. Ein ge 
wöhnlicher guifißenderSielzfuß verdient 
oft den Vorzug vor einem äußerlich 
tadellos ausfehenden, aber wegen 
feines verwickelten Baues unpraktifchen 
künfllichen Beines. Auch hierfür liefert 
die Ausheilung mandie treffende Illuftra 
tion. Es bedeutet einen Ruhmestitel 
der deuFchen Induftrie, daß fie fchon 
jeßt, wie befonders das Beifpiel des 
Phönix in Düffeldorf zeigt, den Zielen 
der Krüppelfürforge volles Verffändnis 
entgegenbringt und mit allen Krähen 
Kriegsverleßfer mit künftlichem Arm beim Schaufeln.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.