Full text : Bremens Warenhandel und seine Stellung in der Weltwirtschaft

57

asiatischen  Reiche  neuzeitlicher  Kultur  und  dem  freien  Handelsverkehr ­
  allmählich  zu  öffnen.  Erst  da  konnte  die  europäische
Industrie  ihre  Schwingen  ungehemmt  entfalten,  weil  sie  die  Aufnahmegier ­
  der  Mongolenvölker  befriedigen  mußte.  Die  Folge  war
ein  entsprechender  Aufschwung  der  Ausfuhr  dorthin  und  nach  dem
von  den  Engländern  ungefähr  gleichzeitig  kolonisatorisch  tiefer
durchdrungenen  und  zum  Eintausch  europäischer  Fabrikate  veranlaßten
  Vorderindien.  Von  wie  einschneidender  Bedeutung  es
gerade  für  Deutschland  war,  in  jener  Jugendzeit  seiner  Industrie
ausgedehnte  Absatzgebiete  zu  finden,  in  denen  es  nicht  gegen
alteingeführte  europäische  Konkurrenz  den  Kampf  aufzunehmen
hatte,  sondern  Seite  an  Seite  mit  dieser  an  die  wirtschaftliche
Unterwerfung  kulturell  und  industriell  tiefer  stehender  Völkerschaften ­
  gehen  konnte,  liegt  klar  auf  der  Hand.  Es  war  die  Zeit,
wo  sich  England  durch  die  Merchandise  Marks  Act,  die  bei  allen
Waren  die  Angabe  des  Ursprungslandes  verlangte,  ins  eigene
Fleisch  schnitt,  wo  das  Made  in  Germany  an  den  ungeheuren
Gestaden  des  nördlichen  Indischen  und  des  nordwestlichen  Großen
Ozeans  einen  guten  Klang  erhielt  und  sich  seinen  Weltruf  errang.
Tabelle  22  gibt  eine  Übersicht  über  die  Entwicklung  der
Handelsbeziehungen  Bremens  und  Hamburgs  mit  Vorderindien,
China  und  Japan.  Ein  Vergleich  dieser  Ziffern  mit  den  früher
gegebenen  läßt  erkennen,  daß  auf  die  genannten  drei  Reiche  von
der  Gesamtausfuhr  aus  Asien  etwa  s / 4  entfallen,  während  sie  die
Ausfuhr  dorthin  zu  mehr  als  9 / 10  absorbieren.
a)  Britisch-Ostindien.
Betrachten  wir  zunächst  Vorderindien.  Es  verhielten  sich
Bremens  Einfuhr  von  dort  LJ.  1888  zu  derjen.  v.  1908  wie  100:150;
Bremens  Ausfuhr  nach  do.  100:545;
Hamburgs  Einfuhr  von  do.  100:1258;
Hamburgs  Ausfuhr  nach  do.  100:545.
Zieht  man  die  Hochkonjunktur  des  Jahres  1907  zum  Vergleich
heran,  so  erhalten  wir  bei  Bremen  gegen  1888  eine  Steigerung
des  Wertes  der  Einfuhr  im  Verhältnis  von  100  :  173,  bei  Hamburg
von  100:1793.  M.  a.  W.,  die  Einfuhr  Hamburgs  aus  Ostindien
ist  in  der  gleichen  Zeit  relativ  um  mehr  als  das  Zehnfache  derjenigen ­
  Bremens,  absolut  noch  bedeutend  mehr  gestiegen!  Jeder
weitere  Kommentar,  um  die  größere  Rührigkeit  der  Hamburger  Importeure ­
  darzutun,  erscheint  überflüssig.  Hinzuweisen  bleibt  nur  darauf,
daß  Bremens  ostindischer  Einfuhrhandel  den  hamburgischen  noch
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.