statiert werden. Dies Verfahren hätte nur in Kraft zu treten, wenn
sich mehr als zwei Bewerber für einen vakanten Sitz meldeten. Die
praktische Schwierigkeit, die verschiedenen Titel der subsidiären Be
vorzugungsskala zu bewerten, ist nie erfolgreich überwunden worden;
denn es ist eine einfältige Behauptung, daß eine Wahl in zweiter
Linie einer Wahl an erster Stelle gleichwertig sei. Der allgemeine
Wille, den eine gesetzgebende Versammlung ausführen soll, ist nicht
etwas, das mit uniformer Regelmäßigkeit über die ganze Gesellschaft
ausgebreitet wäre; er kennt Intensitätsdifferenzen. Bei der Fixierung
der Auswahl zweiten und dritten Grades zeigt sich eine steigende
Ermüdung, die den politischen Wert dieser Nominierungen im Ver
gleich mit dem der Prioritätskandidaten vermindert. Diesen Faktor
der Ermattung müssen wir berücksichtigen, wenn wir ein System
mathematischer politischer Kalkulationen aufzubauen versuchen. Die
Wortführer der Proportionalvertretung sind jedoch immer davor zu
rückgeschreckt. Sie nehmen ganz irrtümlicherweise an, daß sich in
der Auslese keine politischen Wertunterschiede bergen.
Nun entspricht aber die übertragbare Stimme in Wahlkreisen mit
einem einzigen Vertreter nicht dem, was Plare vorschlug, Mill vertei
digte und die Gesellschaft für Proportionalvertretung (Proportional
Representation Society) fordert, aber sowohl das mangelhafte als das
vollkommene System begeht in seiner politischen Mathematik den
oben gerügten Fehler. Die übertragbare Stimme ist nur eine Alterna
tive der Stichwahl. Sie beseitigt die Versteigerungspraktiken, die die
Parteien zweifellos zwischen Hauptwahl und Stichwahl üben würden,
sie verringert die Motive der Rachsucht und lindert die Verbitterung,
die so oft die Ergebnisse der Stichwahlen beherrschen, sie zügelt den
Anreiz, für die vom Glück begünstigte Partei zu stimmen, der sich in
der britischen Politik nach dem Resultat der Hauptwahl stürmisch
regen würde. Sie erreicht also viel besser die von den Stichwahlen
angestrebten Ziele. Aber eigentliche Proportionalvertretung ist sie
nicht. Vielmehr ist die übertragbare Stimme eine Methode, die die
Vertretung von Mehrheiten sichert, während die Verhältniswahl die
Vertretung von Minoritäten bezweckt. John Stuart Mill behandelte in
seinem Werke: Die Repräsentativverfassung (Representative Govern-
ment) das Thema der Proportionalvertretung unter dem Titel: Die
Vertretung der Minoritäten (Representation of Minorities).
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