87
Unzuständigkeit ihrer Anhänger draußen im Lande exemplifizieren.
So gut wie es tote Männer gibt, so gut gibt es auch tote Ideen. Die
Deputierten der Minoritäten könnten die Anzahl der Fragen, mit denen
sich zu befassen das Parlament gezwungen ist, vermehren, ohne jedoch
deshalb eine durchdachte, wohlüberlegte Gesetzgebung im geringsten
zu bereichern oder den Nutzen parlamentarischer Diskussion auch nur
durch einen Satz zu vergrößern. Folglich ist auch die Minoritätsver
tretung keine so einfache und unwiderlegbare Forderung elementarer
Gerechtigkeit, wie es beim ersten Anblick erscheint.
Wir haben noch den Fall aktiver und organisierter Minoritäten, die
einen bedeutenden Umfang erreicht haben, zu behandeln. Bei der Er
örterung mag uns die Temperenzlerpartei im Geiste als Typus vor
schweben. Gegenwärtig müssen diese tätigen Minoritäten ihre beson
deren Zwecke in einem Programme formulieren, das noch andere Ziele
postuliert. Sie haben ihre Forderungen mit anderen Interessen und
Ansprüchen zu verknüpfen und müssen bei einer Partei und in einem
Programme Unterschlupf finden. Unserem heutigen Systeme wird vor
geworfen, dies bedeute einerseits, daß eine einflußreiche Richtung die
Bedingungen diktiere, unter denen sie sich mit einer anderen Partei ver
binden will, und folglich die ganze Partei als Preis ihrer Gefolgschaft
gefangen nähme; und andererseits, daß es Leute zwänge, die über einen
Punkt ein überzeugtes Urteil haben, für ihnen in Wirklichkeit unsym
pathische Vorschläge zu stimmen, nur um dadurch ihre eigenen Haupt
interessen zu fördern. Diese Anklagen werden jedoch gewöhnlich aus
Parteitaktik erhoben und von Oppositionen verwertet, um ihren
Gegensatz gegen Regierungsprogramme zu rechtfertigen. Das Körn
chen Wahrheit, das sie enthalten, ist wirklich bedeutungslos. Eine
Partei kann man nicht von ihren Taten trennen; ihre Flügel sind nicht
durch ein mechanisches Band an sie geknüpft, sondern sie werden
durch einen gemeinsamen Zweck vereint. Wenn die Temperenzler-
partei in der Regel mit den Liberalen zusammen arbeitet, so nur
deshalb, weil irgendein Teil des ihm zugrunde liegenden Prinzips
die übrigen Programmpunkte des Liberalismus mit den Hauptbestre
bungen der Temperenzlerbewegung verbindet. Wie ich jetzt darlegen
werde, muß der Abgeordnete der Temperenzler, auf welche Weise er
auch gewählt worden sein mag, mit irgendeiner Partei kooperieren,
um seine Wünsche durchzusetzen. Die Koalition muß also im Parla