Minorität halte ich für eine sehr geringe Gefahr, die sich stets selbst zu
korrigieren strebt, die auf die allgemeinen Wahlen wenig Wirkung
hat und sich am lärmendsten bei Nachwahlen gebärdet. Daß aber die
Parlamentsmehrheit im exakten Stärkeverhältnis zur Majorität des
Landes stehen soll, ist durchaus nicht nötig. Rein mathematische Vor
stellungen führen zu falschen Schlüssen; denn die öffentliche Meinung
im Rücken des Parlamentes ist nur teilweise eine Frage der Statistik,
die Willensintensität der Wähler bildet ihre andere Seite. Majoritäten
sollten hinreichen, Verbindlichkeiten einzulösen und Verantwortlich
keiten zu übernehmen. Vorausgesetzt, daß die Legislaturperiode eines
Parlaments nicht zu lang ist, wie gegenwärtig, so harmoniert es
mehr mit den Bedürfnissen einer Volksherrschaft, daß die Regierung
sich auf eine Mehrheit stütze, die sie ausschließlich für ihre Handlun
gen verantwortlich macht, als daß sie Kompromisse und Koalitionen
schlösse, die die Volkswünsche nicht reflektieren oder ihnen nicht ent
springen. Ein System, das das Land davor schützte, daß eine Minori
tät von Wählern eine Majorität von Abgeordneten entsende, und das
gleichzeitig bewirkte, daß die Parlamentsmehrheit im Stärkeverhältnis
die Größe der Mehrheit der von ihr verkörperten Wahlstimmen um eine
Idee überschritte, ein solches System müßte in Wirklichkeit dasWalten
der repräsentativen Einrichtungen erleichtern. Auf den Ruf nach Pro
portionalvertretung antwortet die Demokratie mit dem Feldgeschrei:
Kürzere Legislaturperioden, Bezahlung der offiziellen Kosten, häufige
Neueinteilung der Wahlkreise. Das ist meine Replik auf die Frage:
Wie können die Abgeordneten mit den Wählern in Fühlung bleiben?
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